Arbeit neu denken beim JOKO 2020 – Spannender Workshop über die Zukunft des Journalismus

Text: Lena Glaser

Der Journalistinnenkongress ist für mich seit einigen Jahren ein Fixpunkt im Kalender. Die Vortragenden geben praxisnahe, spannende Einblicke in ihre Arbeit, neue Forschungserkenntnisse unterstützen die Diskussion und der persönliche Austausch steht im Vordergrund.

Umso mehr freute es mich, dass ich dieses Jahr als Expertin zum Thema Neue Arbeitswelt meine Erfahrungen und Erkenntnisse bei einem Workshop mit Journalistinnen teilen konnte. Als Sparringpartnerin war Lydia Ninz an meiner Seite. Die Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens AJOUR unterstützt arbeitslose Journalistinnen beim Wiedereinstieg.

Nach kurzen Impulsen entwickelte sich eine angeregte Diskussion, bei der ganz klar wurde: Die Arbeitserfahrungen vieler Journalistinnen ähneln sich sehr. So hat sich aufgrund der Corona-Krise die Situation gerade für viele Freischreiberinnen drastisch verschlechtert und Berufseinsteigerinnen fällt es aktuell noch schwerer im Journalismus Fuß zu fassen. Außerdem sind die Rahmenbedingungen für Frauen noch immer schlechter als für ihre männlichen Kollegen. Im Home-Office werden sie schneller übersehen, sie besetzen kaum Chefposten und werden oftmals auf ihr Aussehen reduziert.

Trotz Online-Meeting und großer räumlicher Distanz entstand ein wunderbarer Safe Space, in dem wir Mut machten an sich selbst zu glauben. Die Teilnehmerinnen ermunterten aktiv ein Netzwerk und Expertise aufzubauen, und ganz direkt auf ihre Vorbilder zuzugehen – und so dabei sichtbar und erfolgreich zu werden. Wir diskutierten neue Perspektiven und Karrierewege für Journalistinnen: vom UX Design, in dem gerade Kompetenzen von Journalistinnen sehr gefragt sind bis zu neuen Formaten als Einnahmequelle (Newsletter, Podcast, Blog).

Wie immer zeigte sich, wie wichtig aber ein Kulturwandel ist, der von oben getragen wird. Auch in Medienhäusern wird es immer notwendiger werden, den Mitarbeiter*innen auf Augenhöhe zu begegnen, sie selbstbestimmt und im sicheren Rahmen ihre Ideen und Geschichten mit den notwendigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen umsetzen zu lassen. Nur so ist gewährleistet, dass der Qualitätsjournalismus überlebt, ein junges Publikum findet und junge Frauen nicht in ihrem Traumjob ausbrennen.