Wir und die Zukunft der Arbeit – Interview mit Miriam Mlczoch

(c) Miriam Mlczoch

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Miriam Mlczoch (41) ist die Gründerin von in love with paper.

(c) Miriam Mlczoch

Nach ihren internationalen Studien (ua. International Relations & Business Management und International Migration Policies) in Buenos Aires, Amsterdam, Maastricht und London absolvierte sie den Lehrgang Buchgestaltung / St. Pölten. Miriam hat ihren eigenen Co-working Space in Wien gegründet.

Liebe Miriam, was bedeutet Arbeit für dich?

Kreativ sein, Ideen spinnen, Spaß haben, nach Lösungen suchen, um den Status Quo zu verbessern, immer wieder neue Herausforderungen meistern. Und natürlich auch: ein Einkommen haben.

Arbeit macht dich glücklich, wenn?

…ich kreativ sein kann, mit Papier arbeite und neue Dinge entwerfe. Wenn ich im flow bin, mich weiterentwickle und durch meine Arbeit als Mensch wachse. Wenn ich mit netten Menschen zusammen arbeite und wir gemeinsam an neuen Ideen tüfteln.

Arbeit macht dich unglücklich, wenn?

…ich immer das selbe mache und die Arbeit sehr monoton ist. Wenn ich das Gefühl habe, nichts Neues mehr zu lernen. Aber vor allem: wenn ich keinen Sinn in meiner Arbeit sehe.

Woran arbeitest du gerade und was interessiert dich daran?

Ich arbeite gerade an einer Crowdfunding Kampagne für das erste Produkt meiner Firma in love with paper, das Fragenbuch Ikigai oder das gute Leben. Ikigai ist ein japanischer Begriff und bedeutet frei übersetzt „das gute Leben“.

Ikigai ist die Schnittstelle von dem, was du liebst, was du kannst, was die Welt braucht und wofür die Welt dich bezahlt. Wenn die vier Bereiche im Einklang sind, hast du dein Ikigai gefunden.

Das Buch Ikigai oder das gute Leben ist ein Fragenbuch, weil die Autorin Franka Kohler und ich meinen, dass dich gute Fragen weiter bringen als ein Ratgeber. Damit du für dich selber herausfinden kannst, was das gute Leben für dich bedeutet.

Das Buch stellt viele gute Fragen, wie:

  • Welche Tätigkeiten bringen Deine Augen zum Leuchten?
  • In welche Themen würdest du dich gerne mehr vertiefen?
  • Was würdest du gerne viel öfter tun?
  • Was fällt dir leicht?
  • Wenn jemand deine Liebsten fragen würde, wofür sie dich lieben und bewundern – Was würden sie sagen?
  • Worauf willst du an deinem 77. Geburtstag zurückblicken können?
  • Welche Herausforderungen in der Welt würdest du gerne angehen?
  • Wenn du eine Mission hättest: was wäre sie?

Die Crowdfunding Kampagne und der Aufbau von in love with paper ist natürlich gerade wahnsinnig spannend, aufregend und eigentlich interessiert mich alles daran.

Was hat dich bei deiner beruflichen Entwicklung besonders geprägt?

Mein Wunsch, immer wieder neue Dinge zu tun, zu lernen und zu wachsen. Und meine Familie: einerseits totaler Rückhalt und Unterstützung für meine Entscheidungen und andererseits die Tugend, Dinge gut und gerne zu machen.

Wie sehen deine idealen Arbeitsbedingungen aus?

Meine Arbeit sollte möglichst flexibel organisiert sein. Ich will, dass Arbeit und Familie kompatibel sind. Andererseits wünsche ich mir klare Arbeitsbereiche und -zeiten. Mein Freund -der selbständig als Grafiker arbeitet- und ich haben zwei fixe Arbeitstage pro Woche für jede/n vereinbart dh. es ist klar, wer arbeiten darf, wenn eines der Kinder krank ist.

Wo arbeitest du und was ist dir dort wichtig?

Was die Arbeitsräume angeht bin ich recht flexibel, da ich lange in Großraumbüros gearbeitet habe. Wenn ich mich konzentrieren muss, setze ich Kopfhörer auf, höre Musik und kapsel mich ab. Wichtig  finde ich, dass es Räume gibt, in denen sich Leute austauschen können ohne dabei andere bei der Arbeit zu stören.

Wie sehen die schönen Seiten und wie die Herausforderungen in deinem Job aus?

Schöne Seiten gibt es viele: ich liebe es, meine Ziele selber zu definieren, die Tage und meine Arbeitspakete selber einzuteilen und dazwischen mal mit einer Freundin einen Kaffee trinken zu gehen. Nicht mehr so durch den Tag zu hetzen. Das ist eine ganz neue, wunderbare Freiheit.

Ich liebe es, etwas ganz Eigenes, mein eigenes Ding zu machen und bin jetzt schon stolz darauf, es wirklich gemacht zu haben, mich getraut zu haben. Dass ich jetzt nicht nur schöne Dinge aus Papier bewundere, sondern sie selber gestalte und dann produzieren lasse. Damit habe ich mir einen Traum erfüllt. Das ist schon sehr besonders.

Und dann dieser wunderbare Prozess: wie etwas von einer ersten Idee stetig wächst, immer konkreter wird, Form annimmt und schließlich ganz real wird und angreifbar. 

Als Herausforderung empfinde ich momentan einerseits die Unsicherheit, die mit der Selbständigkeit kommt und die natürlich besonders am Anfang besonders drängend ist. Wovon werde ich leben? Geht sich das dann überhaupt aus?

Ich will und kann mich nicht daran gewöhnen, alleine zu arbeiten. Dazu arbeite ich viel zu gerne mit anderen zusammen und finde auch, dass Produkte und Projekte meist viel besser werden, wenn man gemeinsam mit anderen daran arbeitet. Weil jede/r ganz unterschiedliche Perspektiven und Stärken mitbringt.

Derzeit versuche ich dies durch Austausch und Feedback mit anderen Gründerinnen und Gründern auszugleichen und hoffe, dies bald auch in unserer Bürogemeinschaft zu erleben, wo es dann auch mehr Möglichkeiten geben gibt, sich auszutauschen und gegenseitig weiterzubringen.

Wie muss erfüllende Zusammenarbeit für dich gestaltet sein?

Kompetenz, Respekt und Wertschätzung für die Stärken der anderen sowie Kompromissbereitschaft und Verlässlichkeit finde ich für eine gute Zusammenarbeit wichtig. Und natürlich helfen eine positive Einstellung und feiner Humor. Weil es soll ja Spaß machen.

Vor welchen Herausforderungen steht die heutige Arbeitswelt aus deiner Sicht?

Ich erlebe die ständige Erreichbarkeit und Ablenkung durch Mobiltelefone, soziale Medien und Emails als ziemlich kritisch. Es ist dadurch zunehmend schwer, abzuschalten und sich auszuklinken. Aber das ist essentiell, gerade für die kreative Arbeit und das Arbeiten im Flow. Ich plane zB. “kommunikationsfreie”  Zeiten für konzentriertes Arbeiten ein.

Gesellschaftlich erschweren es unsichere und oft kurze Arbeitsverhältnisse den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend, ihre Arbeit und somit ihre Existenz auf längere Sicht anzulegen.

Was würdest du tun, wenn du aus finanziellen Gründen nicht mehr arbeiten müsstest?

Ich würde genau das machen, was ich derzeit mache, aber mit mehr finanziellen Ressourcen und mehr Sicherheit.

Danke Miriam!

Habt ihr Fragen und Anregungen? Schreibt mir: Lena@basicallyinnovative.com

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