Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Julia Andorfer

Von Lena Marie Glaser

(C) Lena Marie Glaser

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

JULIA ANDORFER (30)

Julia ist selbstständige Psychologin, Unternehmensberaterin und Yogalehrerin. Derzeit auf Weltreise.

Sie studierte Psychologie an der Universität Wien & University of Western Australia, Perth mit Spezialisierung auf Arbeits- und Organisationspsychologie, absolvierte eine lösungsfokussierte & hypnosystemische Coaching-Ausbildung sowie das Yoga Teacher Training RYT200. Mehr über Julias Arbeit: „Julia Andorfer | Personal Development“

Liebe Julia, was bedeutet Arbeit für dich?

Zeit und Energie aufzuwenden, um meine Herzensprojekte umzusetzen und damit Menschen zu unterstützen, „JA!“ zu sich selbst zu sagen und den eigenen Weg zu gehen. Und gleichzeitig davon leben zu können.

Arbeit macht dich glücklich, wenn?

… es sich nicht wie anstrengende Arbeit anfühlt, sondern leicht und erfüllend ist, ich in einem Flow-Gefühl schwebe und andere durch mein Tun bereichern und bestärken darf.

Woran arbeitest du gerade und was interessiert dich daran?

Aktuell erfülle ich mir gemeinsam mit meinem Freund einen sehnlichen Wunsch: wir sind 9 Monate auf Weltreise. Dadurch sorge ich für meine persönliche Weiterentwicklung und finde Inspirationen für meine Projekte in den unterschiedlichen Ländern sowie deren Menschen und Kulturen. Meine Eindrücke der „Best of der EINZIGARTIGKEITEN UND EIGENHEITEN” jedes bereisten Landes halte ich auf meinem Blog www.juliaandorfer.com/blog fest.

Was war dein Traumberuf als Kind?

Straßenkehrerin – ich hatte schon immer ein großes Sauberkeits- und Ordnungsbedürfnis und fand die Vorstellung von sauberen Straßen wunderbar und sehr befriedigend. Bis ich feststellte, dass dies eine Sisyphusarbeit ist und der Zielzustand nur selten erreicht bzw. lediglich von kurzer Dauer ist.

Was hat dich bei deiner beruflichen Entwicklung besonders geprägt?

2016 war für mich ein Umbruchsjahr – nach 2,5 Jahren als Angestellte in der Unternehmensberatung merkte ich, dass es Zeit für Veränderung war und ich mich noch mehr persönlich entfalten wollte. Daher traf ich eine „Bauchentscheidung“ und gab meinen vermeintlich sicheren Job auf – noch ohne langfristigen Plan…

Mein kurzfristiger Plan war folgender: Noch am Abend meines letzten Arbeitstags bin ich mit dem Nachtbus nach Hamburg gefahren, zu meiner Schwester, das Fahrrad im Gepäck. Dort begann mein großes Abenteuer: 1228km von meiner Herzensstadt Hamburg in meine Heimatstadt Wien.

12 Tage alleine am Fahrrad im Hochsommer quer durch Deutschland. Kein Unwetter, kein Regen, kein Platten. Dafür Umwege, Abwege, Abzweigungen, die reizvoll waren. Und genau das war meine wertvolle Erkenntnis: Es passiert so vieles, während man am Weg ist! Seit damals ist diese Reise die Metapher für „meinen Weg“ – und gab mir den Mut für die Selbstständigkeit!

Wie sehen deine idealen Arbeitsbedingungen aus?

Flexibilität und Selbstbestimmung sind für mich extrem wichtig und wertvoll. Ich mag die Abwechslung und die Entscheidung, wann und wo ich mich welchen Inhalten widmen mag. Als „early bird“ nutze ich gerne den frühen Morgen für konzentriertes Arbeiten und schätze das intensive Arbeiten mit Menschen.

Wo arbeitest du und was ist dir dort wichtig?

Die Vielfalt meiner Tätigkeiten erlaubt es mir, unterschiedliche Arbeitsorte zu nutzen und dabei zeitgleich auch nicht auf mein eigenes Wohlbefinden zu vergessen. So bereite ich gerne Konzepte für Workshops oder Yoga-Retreats vor, während ich selbst auf Reisen bin. Hier finde ich stets die besten Inspirationen und Ideen!

Ich schätze es ebenso, z.B. von einem Kundentermin am Fahrrad zu meiner Yogastunde an einer Wiener Schule zu fahren. Dieser Weltenwechsel ist für mich selbst eine gute Art ab- bzw. umzuschalten. Auch wenn das zugegebenermaßen auf Knopfdruck nicht immer leicht ist.

Wie sehen die schönen Seiten und wie die Herausforderungen in deinem Job aus?

Menschen auf ihrem eigenen Weg zu begleiten und zu unterstützen, ihr Potenzial auszuschöpfen und ihre Einzigartigkeit zu leben, erfüllt mich zutiefst. Das Lächeln meiner entspannten Yoga-SchülerInnen oder die Dankbarkeit meiner Retreat-TeilnehmerInnen bestätigt mich, dass mein Tun SINN-voll und SINN-erfüllt ist.

Als zentrale Herausforderung in der Selbstständigkeit erlebe ich nach wie vor den Umgang mit dem Gefühl, es sei „nie genug“, es warten stets noch offene To Dos für das eigene Business. Ebenso erfordert es viel Vertrauen mit der unsicheren Auftragslage zurechtzukommen.

Wie muss erfüllende Zusammenarbeit für dich gestaltet sein?

Auf Augenhöhe, ehrlich und gegenseitig bereichernd – denn in jeglichem Kontext lerne auch ich selbst sehr viel von meinen KundInnen und deren individuellen Fragestellungen. So ist es ein stetes Geben und Nehmen – darüber schätze ich mich sehr glücklich!

Wie sollte Arbeit in Zukunft aussehen? Was ist deine Traumvorstellung und wie könnte es realistisch sein?

Flexibilität ist ein ganz wesentlicher Faktor für mich für eine gute Work/Life-Balance und ein Aspekt meiner Selbstständigkeit. Daher bin ich auch ein großer Fan von Jobsharing. Zum Beispiel kenne ich die Gründerinnen von Tandemploy aus Berlin, zwei Frauen, die in Deutschland eine Plattform für Jobsharing und flexibles Arbeiten aufgebaut haben. Nach dem Motto „0,5 + 0,5 = 1,5“ teilen sich in zunehmend mehr Unternehmen zwei ähnlich qualifizierte Personen eine Stelle.

Dadurch wird anspruchsvolle Teilzeitarbeit ermöglicht. Nebenbei bleibt Zeit für anderes: freiberufliche Projekte, individuelle Talententfaltung, sinnerfüllte Tätigkeiten und erleichterte Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Mittlerweile gibt es viele ähnliche gute Beispiele und tolle Bewegungen, die flexibles Arbeiten fördern und erleichtern.

Danke Julia!

Du willst wissen, wie andere Pionierinnen des Neuen Arbeitens diese Fragen beantwortet haben? Hier geht es zu meinem Brainpool.

Lena Marie Glaser, Millenial Workplace Consultant & Speakerin. Meine Vision ist es, den spürbaren Wandel der Arbeitswelt aus Sicht meiner Generation – den Millennials (Generation Y) – mitzugestalten, zu inspirieren und frische Impulse zu setzen. Website eMail Facebook Twitter Instagram


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