3 Dinge, die wir uns alle im Job wünschen

Lena Marie Glaser, (c) Barbara Kraml

Kaum jemand, der nicht unter Leistungsdruck steht, sich ausgebeutet fühlt oder genervt ist vom Job. Viele wünschen sich anders zu arbeiten und zu leben. Doch was wollen wir eigentlich?

Von Lena Marie Glaser

Beim Abendessen in einem Wiener Lokal sind wir uns – drei Frauen um die 30 – einig: Wertschätzung im Job ist echt ein Luxus. Außerdem ständiger Leistungsdruck, kaum Platz für persönliche Entfaltung, und kein positives Feedback vom Chef. Das sind Erfahrungen, die viele kennen.

Früher als Juristin im Ministerium musste ich dafür kämpfen, ernst genommen zu werden. Sonst wäre ich dauerhaft die Assistentin der älteren männlichen Kollegen geblieben (natürlich im Gegensatz zu den gleichaltrigen, gleichqualifizierten männlichen Kollegen).

Aber auch die übliche Vorgehensweise, Personalentscheidungen zu treffen ohne die Beteiligten einzubinden, empfand ich immer schon als ungerecht.

Als ich im Kunst- und Kulturmanagement arbeitete, konnte ich zunächst gar nicht glauben, wie niedrig die Bezahlung war. Gehälter, die kaum für Miete und Essen reichten. Außer man hatte natürlich reiche Eltern.

Trotzdem gaben alle immer ihr Bestes – und es wurde von ihnen erwartet. Es machte ja Spaß und war immerhin der lang erträumte Traumjob für den bereits viele, viele andere in der Warteschlage standen.

Auspressen und unter Druck setzten

Menschen sind faul, müssen daher ständig unter Druck gesetzt und bis zum letzten ausgepresst werden. Das ist ein Führungsstil, der noch immer sehr verbreitet ist. Die Menschen lassen es sich aus Angst vor Job- und Statusverlust gefallen, so der Arbeitsmediziner Helmut Stadlbauer im derStandard-Interview.

Aber nicht nur in Anwaltskanzleien, Kunstgalerien und internationalen Konzernen herrscht diese Kultur, sondern auch in den neuen, hippen Agenturen und Start-ups, in denen angeblich alle best friends oder wie eine Familie sind.

Gratis Sushi und Ausbeutung

Diese angeblichen Traumarbeitsplätze bieten ihren Leuten kreative Aufgaben, das Arbeiten im Freundeskreis, kostenlosen Kaffee und Kicker im open space. Doch die Wahrheit ist oft eine andere: Hoher Zeitdruck, ruppiger Umgangston, und eine scheinbare heile Welt.

Die französische Autorin Mathilde Ramadier deckte auf, dass Start-ups in Berlin junge Akademikerinnen und Akademiker nach Strich und Faden ausnutzen. Die studierte Philosophin hatte es nach einiger Zeit in solchen Unternehmen satt und beschloss darüber zu schreiben.

Sie spricht von der Lüge „Wir sind eine Familie“ und fragt: Was nutzen uns Gratis-Sushi und Kickertisch, wenn wir ausgebeutet werden? Goodies, gemeinsame Firmen Events in der Freizeit und befristete Jobs machen es verdammt schwer Kritik zu üben, so Ramadier (Zeit Online).

Aber ist das wirklich die Zukunft der Arbeit, die wir wollen? Werden wir künftig unter dem Druck ersticken, gesteuert von Robotern und Algorithmen? Oder aber: Wie könnte ein anderer Weg aussehen?

Sophie Pollak, die Gründerin von WeBandits verkauft hippe koreanische Mode in ihrem Wiener Shop in der Neubaugasse. Bei der Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Freundin erzählt sie mir davon, dass sie in ihrer neuen Rolle als Chefin einen anderen Weg gehen will.

Sie lässt sich coachen, informiert sich und versucht für ihr Unternehmen einen eigenen Weg zu finden. Neues Leadership ist das und unterscheidet sich echt grundlegend von den üblichen Macho-Allüren in vielen Agenturen und Start-ups.

Der Hamburger Unternehmern Uwe Lübbermann hat erfolgreich Premium Cola gegründet und sich bewusst für eine andere, neue Form des Arbeitens entschieden. In seinem Unternehmen gibt es ausschließlich Konsens Entscheidungen und gleichen Lohn für alle.

Lübbermann baut dabei auf Vertrauen, schriftliche Verträge gibt es keine. Mit seinem Mitarbeiter, der Lieferantin oder der Kundin spricht er auf Augenhöhe.

Neben vielen Aspekten ist es die Arbeitskultur, die für viele Probleme verantwortlich ist. Also die Art und Weise, wie wir zusammen arbeiten. Zurückblickend auf meine persönlichen Erfahrungen und die vielen Gespräche, die ich zu diesem Thema geführt habe, sind diese 3 Dinge für mich besonders wichtig:

1. Ich kann mitentscheiden und gestalten.

2. Es gibt eine Kultur des Vertrauens.

3. Ich kann mich persönlich entfalten.

Wie seht ihr das? Schreibt mir: Lena@basicallyinnovative.com

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