Und was machst du so beruflich? Warum es stressig sein kann, darauf keine einfache Antwort zu haben. Meine Einblicke aus der neuen Arbeitswelt.

Lena Marie Glaser (c) Pflaum

Von Lena Marie Glaser

Was machst du so? Früher konnte ich diese Frage ziemlich schnell beantworten: Ich bin Juristin und arbeite im öffentlichen Dienst. Viel wurde dann nicht mehr nachgefragt. Auf den 1. Blick erschien alles klar. Ich war in einer Schublade drinnen, aber wurde automatisch ernst genommen. Obwohl wie eine „typische“ Juristin fühlte ich mich eigentlich nie.

2017 brach ich ja aus meiner sicheren, beruflichen Laufbahn aus, um mir meinen eigenen Job zu schaffen. Da spürte ich langsam eine neue Herausforderung: Wie bezeichne ich mich jetzt eigentlich? Viele wollten mich als Bloggerin oder später als Unternehmensberaterin einordnen. Damit fühlte ich mich nie wohl.

(c) Pflaum

Ich machte mich daher auf die Suche nach einer Bezeichnung, die zu mir passt. Eigentlich ziemlich aufregend, und doch löste bei mir die Frage: Was machst du so? sehr lange den größten Stress aus. Ich wollte offenbar unbedingt verstanden werden, in eine Kategorie reinpassen. Gleichzeitig aber entzog ich mich ja bewusst der klassischen Jobdescription.

ÄrztInnen, BuchhalterInnen, JournalistInnen, LehrerInnen, TechnikerInnen, ArchitektInnen, VerkäuferInnen, WissenschaftlerInnen usw. – das sind klare Bezeichnungen. Doch es entstehen neue Berufsbilder: von der Social Media Managerin, UX Designerin bis zum Agil Coach. Und immer öfter begegne ich Menschen, die sich selbst neue Berufstitel geben.

Kürzlich traf ich mich mit einer Regisseurin und Drehbuchautorin, die auch als Moderatorin arbeitet. Wir diskutierten genau diese Fragestellung. Ist es wirklich so wichtig, ein Wort für unsere berufliche Tätigkeit zu haben? Warum müssen wir unbedingt in eine Schublade passen?

Für viele ist ihre Berufsbezeichnung auch gleichzeitig ein Statussymbol. Ich kenne das nur zu gut. Es macht tatsächlich einen Unterschied, ob ich mich als Bloggerin oder Unternehmensberaterin vorstelle. Mir passiert es noch immer, dass ich mehr Respekt bekomme, wenn ich ergänze ausgebildete Juristin zu sein.

Für mich hat diese Suche nach einer geeigneten Berufsbezeichnung vor allem damit zu tun, ernst genommen zu werden. Ich möchte als Expertin anerkannt sein, um in der öffentlichen Diskussion etwas bewirken zu können. Eine Stimme zu haben, um den Wandel in der Arbeitswelt aktiv mitgestalten zu können.

Mittlerweile habe ich einen Titel gefunden, der viel Raum lässt, aber doch beschreibt wie ich mich wahrnehme und wahrgenommen werden möchte. Und das fühlt sich grad ziemlich gut an.

Ihr wollt mehr wissen? Schreibt mir! Lena@basicallyinnovative.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.