Future of Leadership. Wie sieht die ideale Führungskraft von morgen aus? Eine Antwort aus der Perspektive der Generation Y & Z

(c) Apollonia Bitzan

Von Lena Marie Glaser

Auf meinen Future of Work Learning Journeys lerne ich regelmäßig engagierte Menschen kennen, die ihr Arbeitsumfeld aktiv verbessern wollen. Sie sehen genau, was schief läuft und haben konkrete Ideen, wie diese Probleme zu lösen sind. Doch oft stoßen sie auf Widerstand oder Desinteresse.

Es sind diejenigen, denen es eben nicht egal ist, wie sie und ihr Umfeld arbeiten. Die Verantwortung übernehmen wollen. Ohne gleich eine klassische Karriere als Führungskraft anzustreben. Die besonders qualifiziert sind und irgendwann keine Lust mehr haben, nicht gehört zu werden.

Es sind besonders die motivierten, innovativen Frauen, um die sich Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels bemühen sollten. Ich denke mir dann oft, in einer anderen perfekten Arbeitswelt wären das die super erfolgreichen Führungskräfte. Die nämlich reflektieren, die zuhören, die eine klare Vision kommunizieren können.

Aber so wie „Chefsein“ heute gelebt wird, darauf haben besonders viele engagierte und kritische junge Menschen keine Lust mehr. Lieber wollen sie Fachexpertin oder Fachexperte im eigenen Gebiet sein als im mittleren Management zerrieben zu werden zwischen mangelnder Wertschätzung und Dauerstress. Sie ziehen Work-Life-Balance dem Burn-out vor.

Gerade meiner Altersgruppe, den Millennials / Generation Y wird oft nachgesagt, faul zu sein und keine Verantwortung übernehmen zu wollen. Doch da schließe ich mich der Autorin und Wirtschaftsredakteurin Kerstin Bund (Die Zeit) an, die in ihrem Buch Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen festhält:

„Wir sind nicht faul! Wir wollen arbeiten. Nur eben anders. Nachhaltiger. Im Einklang mit unseren Bedürfnissen.“

Leadership zeigen, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen im Interesse des Teams treffen, dabei kein kontrollierender „Boss“ zu sein. So stellt sich die Generation Z ihre idealen Führungskräfte vor. Jene Generation über die auf HR Messen und in den Medien aktuell wild spekuliert wird.

Ich wollte mehr wissen und mit den Jugendlichen selbst sprechen. Im Dezember 2019 besuchte ich das Wiener Amerlinggymnasium und erarbeitete mit den 16-17 jährigen Jugendlichen der 7. Klasse, wie sie sich ihre Arbeitswelt der Zukunft vorstellen und was sie brauchen, um gut arbeiten zu können.

(c) Apollonia Bitzan

Erstaunlich klar und pragmatisch formulierten vor allem die Mädchen ihre Bedürfnisse und Wünsche. Dabei spielte das Thema „Leadership“ eine wichtige Rolle. Die Jugendlichen in der Schlussrunde:

Böse Chefs werden aussterben. Wer kommt? Führungskräfte, die unterstützen, nicht abwerten und kontrollieren.

Chef/Chefin soll Leitfigur sein und wissen, wie man Menschen behandelt, soll fair sein, soll Vision vorgeben.

Chef/Chefin als Leader und nicht als Boss, soll motivierend sein.

(c) Apollonia Bitzan

Gleich danach war ich im Jänner 2020 auf Learning Journey in Kopenhagen #copenhagen2020. Dort erforschte ich, wie wir von der nordischen Arbeitskultur lernen können. Ich führte Gespräche mit jungen Frauen und Männern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die in Dänemark arbeiten. Diese Expats waren sich einig:

In Dänemark gibt es einfach eine ganz andere Arbeitskultur. Eine Kultur, in der wir viel lieber arbeiten: Keine Angst vor Fehlern, die Führungskraft gibt den Rahmen aber lässt autonom arbeiten, Vertrauen vor Kontrolle.

Was heißt das nun für Unternehmen hier bei uns? Wollen sie in Zukunft die besten Talente, besonders Frauen, als Führungskräfte gewinnen und halten, müssen sie umdenken und handeln. Der Vorteil: Unternehmen profitieren von kritischen, engagierten Köpfen, die neue Herausforderungen der Zukunft professionell, klug und empathisch lösen.

Wie kann das gehen? Sie müssen beginnen, im Recruiting Führungskräfte nach Kompetenzen wie Empathie, Mut und Reflexion auszuwählen. Dabei bereits im eigenen Unternehmen nach den engagierten VordenkerInnen Ausschau halten und diese ermutigen, sich zu trauen Verantwortung zu übernehmen.

Dabei hilft es, Rolemodels sichtbar zu machen und begleitende Weiterbildungen, Supervision, Coaching und Mentoring anzubieten. Außerdem können Veranstaltungen helfen, hier Bewusstsein zu schaffen und den Wissenstransfer zu ermöglichen. Mein Salon Ende Jänner 2020 in Wien hat gezeigt, wie das gehen kann.

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