Future of Work School Lab 2019: Wie wollen junge Menschen arbeiten?

Lena Marie Glaser, AHS Wien (c)ApolloniaTheresiaBitzan

Lena Marie Glaser erlebt den aktuellen Wandel in unserer Arbeitswelt als Chance, um die Frage aufzuwerfen, wie wir eigentlich arbeiten wollen. UN GLOBAL COMPACT Deutschland, 2018 Zum Expert Paper

Von Lena Marie Glaser

Artikel mit Corona-Update Juli 2020 aktualisiert

Auf meinen Future of Work Learning Journeys lerne ich viele engagierte Menschen kennen, die ihr Arbeitsumfeld mitgestalten möchten. Sie erkennen was schief läuft und haben konkrete Ideen, wie diese Probleme zu lösen sind. Doch oft werden sie nicht gehört, spüren Widerstand und Desinteresse.

Das sind Menschen, denen es eben nicht egal ist, wie sie und ihr Umfeld arbeiten. Die Verantwortung übernehmen wollen. Die besonders qualifiziert sind und irgendwann keine Lust mehr haben, nicht gehört zu werden. Es sind besonders die engagierten, kritischen jungen Frauen, von denen Organisationen in Zeiten des Fachkräftemangels und der Krise lernen können, um sie zu gewinnen und zu halten.

So wie „Chefsein“ heute gelebt wird, darauf haben besonders junge Menschen keine Lust mehr. Lieber wollen sie sich spezialisieren und weiterbilden, als im mittleren Management zerrieben zu werden – zwischen mangelnder Wertschätzung und Dauerstress. Sie ziehen eine ausgewogene „Work-Life-Balance“ dem Burn-out vor.

Nicht nur die Generation Y (Millennials) will das; es ist die Generation Z über die auf Personalkongressen und in den Medien viel gesprochen wird. Diese Jugendlichen, die noch in der Schule oder in Berufsausbildung sind, wünschen sich ernst genommen zu werden. Sie verlangen nach Führungskräften, die ihnen zu hören, Leadership zeigen, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen im Interesse des Teams treffen.

2019 wurde ich von der Klassenleiterin eines Wiener Gymnasiums gefragt, ob ich mit ihren SchülerInnen arbeiten möchte. Ich war sofort begeistert, wollte mehr wissen und mit den Jugendlichen, der Generation Z, selbst sprechen.

Ich entwickelte das Konzept Future of Work Lab für junge Menschen: In einem 2-3 stündigen Workshop sind die Jugendlichen eingeladen nachzudenken und sich darüber auszutauschen, wie sie sich ihre Arbeitswelt der Zukunft vorstellen und was sie brauchen, um gut arbeiten zu können.

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Die Ziele. Einerseits sieht das Konzept vor, praxisnahes und evidenzbasiertes Wissen über den Wandel der Arbeitswelt zu vermitteln. Thematisch kreist der Impulsvortrag daher über neue Arbeitsformen bis zu den Arbeitsorten der Zukunft.

In einem sicheren Raum können die Jugendlichen ihre persönlichen Erwartungen formulieren und werden bestärkt in den eigenen Vorstellungen. Gemeinsam mit ihren Peers tauschen sie sich aus und reflektieren. Dabei erkennen sie ihre persönlichen Potentiale und werden motiviert, diese zu entfalten.

Im Dezember 2019 war es soweit. Im Wiener Amerlinggymnasium fand das 1. Future of Work Lab mit den 16-17 jährigen Jugendlichen der 7. Klasse statt. Wir starteten mit einer bunten Runde, in der sich alle mit ihrem Namen und persönlichen Leidenschaften und Zukunftsvisionen vorstellten. Anfangs zögerlich, entstand zunehmend eine engagierte Diskussion.

Im Impulsvortrag baute ich die dadurch gewonnenen Perspektiven der Jugendlichen ein. Dann formten die SchülerInnen kleine Gruppen und begannen die Themen aus dem Vortrag aufzugreifen, zu brainstormen und mit Post-its ihre Vorstellungen zu notieren und aufzumalen. Die Klassenleiterin und ich beobachteten, unterstützten, hörten aufmerksam zu und lernten von ihren Gesprächen und Gedanken:

Erstaunlich klar und pragmatisch formulierten vor allem die Mädchen ihre Bedürfnisse und Wünsche. Die Themen kreisten um Leadership, Einkommen, Lebensqualität, Vereinbarkeit mit Familie. Die Jugendlichen in der Schlussrunde über die Rolle von Führungskräften:

Böse Chefs werden aussterben. Wer kommt? Führungskräfte, die unterstützen, nicht abwerten und kontrollieren.

Mein Chef/Chefin soll Leitfigur sein und wissen, wie man Menschen behandelt, fair sein und eine Vision vorgeben.

Mein Chef/Chefin soll motivierend sein.

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Kurz danach begann meine Learning Journey in Kopenhagen #copenhagen2020 und bestätigte meine Erkenntnisse aus dem Future of Work Lab im Amerlinggymnasium. Wie immer erforschte ich mit der Basically Innovative Methode diese neue Arbeitswelt und lernte die nordische Arbeitskultur kennen. In meinen Gesprächen mit jungen Frauen und Männern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die in Dänemark arbeiten, wurde eines klar:

In Dänemark gibt es einfach eine ganz andere Arbeitskultur. Eine Kultur, in der wir viel lieber arbeiten: Keine Angst vor Fehlern, die Führungskraft gibt den Rahmen aber lässt autonom arbeiten, Vertrauen vor Kontrolle.

Was können wir daraus lernen? Auch wir brauchen eine Arbeitskultur auf Augenhöhe und ein neues Verständnis von Leadership. Organisationen können so die besten kritischen, engagierten Köpfen gewinnen und halten, die neue Herausforderungen der Zukunft klug und kreativ lösen.

Das beginnt im Recruiting in dem Führungskräfte nach Sensibilität, Mut und Reflexion ausgewählt werden. Engagierte VordenkerInnen in der eigenen Organisation sind zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen.

Rolemodels sind sichtbar zu machen und begleitende Weiterbildungen, Supervision, Coaching und Mentoring anzubieten. Außerdem können Veranstaltungen Bewusstsein schaffen und das Lernen voneinander ermöglichen. Der Basically Innovative x Salon im Jänner 2020 in Wien hat gezeigt, wie das gehen kann.

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