Frauen und die Zukunft der Arbeit – Antonia Wenzl (waff)

Antonia Wenzl waff Frauen und die Zukunft der Arbeit
Antonia Wenzl
Frauen und die Zukunft der Arbeit

Expertinnen der neuen Arbeitswelt zeigen, welche Arbeitsbedingungen sie sich persönlich wünschen und wie unsere Zukunft der Arbeit aussehen sollte. Zu Gast: Antonia Wenzl (waff)

Antonia Wenzl, 37

Aktueller Job: Bildungs- und Berufsberaterin beim Wiener ArbeitsnehmerInnenförderungsfonds (waff)

Ausbildung: Studium Germanistik, Deutsch als Fremdsprache und Gender Studies, verschiedene Zusatzausbildungen in der Erwachsenenbildung und Beratung.

Wordrap

Arbeit bedeutet für mich… Ziele zu verfolgen, die für mich sinnstiftend sind und an noch mehr Chancengerechtigkeit für möglichst viele mitzuwirken.

Arbeit macht mich glücklich… wenn ich in wertschätzenden und gut strukturierten Arbeitsumfeldern mit spannenden Kolleg_innen arbeiten kann und ich dabei laufend Neues lerne.

Die Fragen

Woran arbeitest du gerade? Im Beratungszentrum für Beruf- und Weiterbildung des Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds (waff) berate ich Wiener_innen, die sich beruflich weiterentwickeln wollen und/oder eine Höherqualifizierung anstreben.

Täglich kommen Menschen zu mir in die Beratung, mit denen ich an ihren beruflichen nächsten Schritten und ihren Ausbildungszielen arbeite. Am meisten interessieren mich daran die unterschiedlichen Berufsbiografien und Lebensgeschichten.

Was ist dir in deiner Arbeit wichtig? Im Laufe der Jahre habe ich herausgefunden, dass es mir besonders wichtig ist mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ähnliche Grundhaltungen haben. Auch ein wertschätzender, kollegialer Umgang und transparente Strukturen sind mir wichtig.

Wie bist du zu deinem Job gekommen? Die Stelle war ausgeschrieben und ich habe mich ganz klassisch beworben.

Was wolltest du als Kind/Jugendliche werden? Ich wusste eigentlich nie, was ich werden wollte. In der Rückschau hatte ich aber auch nicht sehr viel Einblicke in mögliche Arbeitsfelder. Das jedenfalls habe ich jetzt in meinem Job.

Was hat dich bei deiner beruflichen Entwicklung besonders geprägt? Die Chancen, die das österreichische Bildungssystem mir geboten hat und die Erfahrung, dass ich die Dinge in die Hand nehmen kann und etwas verändern kann, wenn ich unzufrieden bin.

Wie muss deine ideale Zukunft der Arbeit organisiert sein? Die flexiblen Arbeitszeiten, die ich in meinem Job habe, weiß ich sehr zu schätzen. Ich habe zwei Kinder und auch deshalb ist mir Vereinbarkeit ein Anliegen.

Aber auch für Menschen ohne Betreuungspflichten erscheint es mir wichtig, dass Arbeitsverhältnisse so gestaltet sind, dass sie uns ausreichend Energie für andere Dinge im Leben lassen.

An welchen Orten arbeitest du? Wie muss der ideale Arbeitsraum gestaltet sein? Ich erwerbsarbeite derzeit ausschließlich im Büro und weiß diese Abgrenzung vom Privaten sehr zu schätzen.

Natürlich bringt es auch Freiheiten mit sich an unterschiedlichen Orten tätig zu sein. Ich tue mir aber ohnehin schwer, die Arbeit im Kopf nicht mit nach Hause zu nehmen. Wenn sie zumindest physisch dort verortet bleibt, wo ich auch arbeite, dann macht es das für mich einfacher.

Ein idealer Arbeitsraum braucht für mich außerdem Begegnungsräume für den informellen Austausch mit Kolleg_innen.

Wie wichtig ist dir die Zusammenarbeit mit anderen? Was braucht es für eine erfolgreiche, erfüllende Kollaboration? Für mich ist es unglaublich bereichernd, dass ich mich täglich mit Menschen austauschen kann, die vor den gleichen Herausforderungen stehen und von denen ich lernen kann.

Sehr wertvoll erlebe ich eine möglichst große Diversität in Teams und die Fähigkeit unterschiedliche Sichtweisen und Problemlösungszugänge wertschätzen zu können.

Welche Herausforderungen, Probleme siehst du in der heutigen Arbeitswelt? Im Beratungszentrum für Beruf und Weiterbildung des waff habe ich viel Kontakt mit niedrigqualifizierten Menschen und dequalifiziert Beschäftigten. Für die meisten von ihnen sind innovative Arbeitsmodelle, oder auch nur flexible Arbeitszeiten und selbstgewählte Arbeitsorte unbekannte Welten, die nichts mit ihrem Alltag zu tun haben.

Ich finde es wichtig, dass wir, wenn es um die Weiterentwicklung der Qualität von Arbeit geht, nicht nur Hochqualifizierte im Blick haben. Sondern uns als Gesellschaft auch damit auseinandersetzen, wie das für Menschen gelingen kann, die in Hilfstätigkeiten beschäftigt sind.

Für sie ist es jetzt schon teilweise sehr schwer. Sie sind häufiger und länger arbeitslos und Belastungen ausgesetzt, die nicht immer tragbar sind. Die Errungenschaften durch Digitalisierung und Automatisierung müssen meines Erachtens auch daran gemessen werden, wie sie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen dieser Zielgruppen beitragen.

Zusätzlich erscheint mir die Auseinandersetzung mit der Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen den Geschlechtern wichtig. Denn nur wenn hier eine Umverteilung gelingt, wird sich der Gender Pay Gap und insbesondere auch der Gender Pension Gap in Österreich verringern.

Wie glaubst du arbeiten wir in den nächsten 20 Jahren? Bist du eher optimistisch oder siehst du schwarz? Ich bin grundsätzlich optimistisch. Obwohl es meiner Meinung nach nicht möglich ist vorherzusagen, wie wir in 20 Jahren arbeiten werden. Das wird auch weiterhin sehr vom Arbeitssektor und dem jeweiligen Tätigkeitsfeld abhängen.

Zentral erscheint mir dafür, inwiefern es uns gelingt, die Digitalisierung für soziale Innovationen zu nutzen. Wenn etwa manuell durchgeführte Routinetätigkeiten wegfallen, werden idealerweise Ressourcen frei um sich anderen Dingen zu widmen.

Dann ist es entscheidend, ob Menschen durch Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen in die Lage versetzt wurden, diese neuen oder anderen Aufgaben zu übernehmen. Hier ist jedenfalls die Erwachsenenbildung gefragt.

Persönlich finde ich es außerdem spannend wie virtuelle Kommunikations- und Kollaborationsmöglichkeiten unsere Arbeitswelt weiterhin verändern werden.

Vorausgesetzt, du hättest genug Geld – würdest du trotzdem arbeiten, und was? Auch wenn ich nicht auf das Geld angewiesen wäre, würde ich arbeiten. Ich mag meine Arbeit und erlebe sie fast immer als Bereicherung. Mein Leben würde also vermutlich nicht sehr viel anders aussehen. Was ich dann aber sicher tun würde: Risikofreudiger meine Zeit in die Entwicklung eigener Projekte investieren.

Demnächst

‚Frauen und die Zukunft der Arbeit‘ mit Lena Robinson, Managerin Partnerin von Playful Solutions.

Founding editor basicallyinnovate.com looshaus wien videos looshaus wien
Lena Marie Glaser, Founder of b_i

Wie sieht zeitgemäßes Arbeiten aus? basicallyinnovative.com ist mein virtual space für neue Perspektiven. Inspirierende Frauen meiner Generation zeigen, worauf es ankommt. Multimedial und unabhängig. Interesse an mehr? Click here. Oder schreibt mir: lena@basicallyinnovative.com Follow me:  Facebook Twitter Instagram

One Reply to “Frauen und die Zukunft der Arbeit – Antonia Wenzl (waff)”

  1. Finde diese Interviews toll. Sie geben einen schönen Einblick in die Arbeitswelt. Es ist eine tolle der Form der „Berufsorientierung“ um es einmal so zu nennen. Kompliment und Twittererwähnung meinerseits!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.