Millennials und die Zukunft der Arbeit. Wie wir arbeiten wollen und nicht nur sozial nachhaltige Unternehmen davon profitieren

Exhibition How will we work? Angewandte Innovation Lab
‚How Will We Work?’ Angewandte Innovation Lab, Juli 2017


Millennials und die Zukunft der Arbeit. Wie wir arbeiten wollen und nicht nur sozial nachhaltige Unternehmen davon profitieren.

Autorin: Lena Marie Glaser

I don’t know, finding your own path is not for the faint of heart. It’s the harder path. It’s easier to just keep doing the same shit over and over again and then be surprised when it’s still the same results. Somehow that’s easier than just doing something different. – Lana del Rey (31), in complex.com, Juli 2017.

Warum habe ich nach 8 Jahren meinen sicheren Job im öffentlichen Dienst aufgegeben? Eine Frage, die nicht nur Kolleginnen, sondern auch meine ganze Familie beschäftigte. Eigentlich ganz einfach: Meine Arbeit machte keinen Sinn mehr für mich. Meine Motivation als Juristin im Bundesdienst zum Allgemeinwohl beizutragen war verschwunden. Und ja – ich habe einiges versucht: Ich entwickelte innovative Konzepte für eine zeitgemäße Unternehmenskultur, baute neue Prozesse auf und kümmerte mich um Probleme meiner Kolleginnen. Doch keine tollen Fortbildungen, kein neuer Aufgabenbereich reichte aus um mich zu halten. Warum? Ja genau – weil ich keinen Sinn mehr erkannte in meiner Aufgabe, keine Möglichkeit meine Kreativität umzusetzen. Trotz allem: Die Verwaltung ist ein toller Arbeitgeber, bietet flexible Arbeitszeitmodelle, sichere Arbeitsplätze und ausreichend Bezahlung. Also war ich nur zu gierig, wollte zu viel?

Nicht nur mein persönliches Umfeld bestätigt mich darin, dass eine ganze Generation von Menschen andere Bedürfnisse und Vorstellungen von Arbeit hat. Everything you thought you knew about millennials is wrong  ist ein Artikel, der im Rahmen des World Economic Forum Annual Meeting 2017 publiziert wurde und beschreibt diese Generation so:

1. Millennials aren’t lazy, they’re workaholics. 2. Millennials want a job with purpose – but they’ve also got bills to pay. 3. Not as self-centred as they say. 4. A generation of optimists.

Und auch Adam Smiley Poswolsky, der als international anerkannter millennial workplace expert mit dem Buch The Quarter-Life Breakthrough: Invent Your Own Path, Find Meaningful Work, and Build a Life That Matters, 2016 einen Karriere-Ratgeber für Menschen zwischen twenty- and thirty-somethings veröffentlicht hat, spricht von einer Generation auf der Suche nach how to work with purpose (and still pay their rent).

Immer mehr Menschen streben nach einem nachhaltigen Leben; sie essen vegan, reduzieren ihren Müll, kaufen bewusst fair und ökologisch produzierte Kleidung, Kosmetik und Kinderspielzeug ein. Eigentlich völlig klar, dass sich diese Entwicklung auch im Arbeitsleben niederschlägt. Dauerhaft ist der Job in einem ‚herzlosen‘ corporate nicht zu ertragen, wenn sich das restliche Leben doch nachhaltig gestalten soll – nein, das geht sich wohl nicht aus…

Es sieht so aus, als gebe es ein Problem: Einerseits sind Unternehmen auf der Suche nach den Besten meiner Generation, suchen motivierte, bestausgebildete Mitarbeiterinnen. Employer Branding und Personalmarketing sind heute wichtige Themen in Unternehmen. Einmal gefunden, ist es allerdings die Herausforderung sie zu halten. Und Wir – und damit meine ich Menschen meiner Generation zwischen Mitte 20 und Mitte 30 – sind es gewohnt flexibel zu sein, wir kennen unsere Möglichkeiten, sind zwar keine digital natives, aber doch mit Handys und Internet aufgewachsen. Wir haben studiert, zahlreiche unbezahlte (internationale) Praktika absolviert und jetzt wollen wir einen Job, der neben finanzieller Sicherheit, flexiblen Arbeitszeiten auch Selbstentfaltung und eine sinnvolle Tätigkeit bietet, die zu unserem nachhaltigen Lebensstil passt.

Natürlich gibt es bereits Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Sie fokussieren sich im Rahmen ihrer Corporate Social Responsibilty (CSR) auf nachhaltige Maßnahmen. Die Wirtschaftskammer Österreich definiert CSR als die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Unternehmen, die sich der Herausforderung stellen und Nachhaltigkeit in ihrem Betrieb realisieren, schaffen einen gemeinsamen Mehrwert. Sie leisten nicht nur einen wertvollen Beitrag für Gesellschaft und Umwelt, sondern minimieren ihre Risiken, steigern die Mitarbeitermotivation, stärken Kundenbindung und –vertrauen, erhöhen ihr Innovationspotenzial und generieren so Wettbewerbsvorteile, so die WKÖ. Zahlreiche Preise bezeugen die zunehmende Bedeutung von CSR für Unternehmen; wie der TRIGOS Österreich 2017 der zum 14. Mal im Juni 2017 an Unternehmen verliehen wurde, die ihre Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft vorbildhaft wahrnehmen.

Aber – Corporate Social Responsibility darf nicht als bloße Marketingmaßnahme instrumentalisiert werden. Unternehmen muss bewusst sein, dass ihre Zielgruppe, sei es am Arbeitsmarkt oder doch als Konsumentinnen, sehr rasch erfasst, ob reines Marketing oder doch authentisches Engagement gelebt wird. Spätestens nach den ersten Monaten bzw. Jahren wird den jungen Mitarbeiterinnen klar, ob die Unternehmenskultur mit den eigenen Ansprüchen zusammenpasst. Liegt den Unternehmen daran, ihre Mitarbeiterinnen an sich zu binden und neue Kundschaft zu gewinnen und zu halten, sollten daher tatsächlich nachhaltige Maßnahmen gesetzt werden – nach außen wie auch nach innen. Es zählt daher: Authentizität. Die Maßnahmen müssen zum Unternehmen passen und nicht nur an der Oberfläche kratzen.

Der Blick über den Tellerrand in die USA zeigt, dass soziale Nachhaltigkeit auch dort ein großes Thema ist; so berichtete kürzlich das Forbes Magazin über die 10 Unternehmen with the best CSR reputation. Unternehmen wie Microsoft und Google sind darunter zu finden. Als Quelle wurde eine Studie des Reputation Institute aus New York herangezogen; Konsumentinnen wurden befragt, welche Unternehmen für sie die beste Reputation im Bereich CSR haben. Eine wesentliche Erkenntnis dieser Studie war Forbes zufolge, dass 42% der befragten Konsumentinnen ihre Meinung über ein Unternehmen davon abhängig machten, wie sie deren CSR Bemühungen bewerteten.

Eigentlich ist somit offensichtlich, dass sozial nachhaltige Unternehmen Vorteile für uns alle haben:

Für die Unternehmen selbst, da eine verbesserte Unternehmenskultur motivierte (junge) Mitarbeiterinnen ans Unternehmen bindet sowie neue Konsumentinnen gewonnen und langfristig gehalten werden können.

Für jeden einzelnen Menschen, da sinnvolle Arbeit bei der die persönlichen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen zu mehr Motivation und so zu Gelassenheit und körperlicher Gesundheit führt.

Für unsere Gesellschaft, da wir in einer Zukunft der Automatisierung und Robotisierung aktiv darauf achten müssen, die eigentlichen Bedürfnisse der Menschen nicht zu übersehen.

Lena, Founding Editor

Als Herausgeberin von basicallyinnovative.com geht es mir darum, den aktuellen Wandel der Arbeitswelt als Chance zu begreifen. Wie wollen wir eigentlich arbeiten? Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Frauen und deren Blick auf die Zukunft der Arbeit (mehr). Schreib mir, wenn du Interesse an einem regelmäßigen Update hast: eMail und folge mir auf Facebook.

 

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