So haben wir das immer schon gemacht – Ein Generationenkonflikt?

Collage (c) Lena Marie Glaser, Texte aus Parnass Kunstmagazin 03/16
(c) Lena Marie Glaser, Texte aus Parnass Kunstmagazin 03/16

Wenn Millennials in der Arbeitswelt auf Babyboomer* treffen, prallen oft Welten aufeinander. Unverständnis und Widerstände sind die Folge. Wie Empathie helfen kann, diese Gräben in Zukunft zu überwinden.

Autorin: Lena Marie Glaser

Ja, viele Menschen meiner Generation haben andere Vorstellungen von Arbeit und Leben als ihre Eltern. Wenn Millennials nun mit erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Unternehmen zusammenarbeiten, fehlt oft das Verständnis füreinander, unterschiedliche Vorstellungen kollidieren, Konflikte entstehen. Empathie wäre gefragt.

Im Gegensatz zu ihren älteren Zeitgenossen sind Millennials in einem anderen gesellschaftlichen Umfeld aufgewachsen. Anders als für Generationen vor uns ist klar, dass sichere Jobs bis zur Pension eher eine Utopie sind. In meinem Artikel ‚Millennials und die Zukunft der Arbeit. Wie wir arbeiten wollen und nicht nur sozial nachhaltige Unternehmen davon profitieren’ betone ich, dass

Menschen meiner Generation zwischen Mitte 20 und Mitte 30 – es gewohnt sind, flexibel zu sein, wir kennen unsere Möglichkeiten, sind zwar keine digital natives, aber doch mit Handys und Internet aufgewachsen. Wir haben studiert, zahlreiche unbezahlte (internationale) Praktika absolviert und jetzt wollen wir einen Job, der neben finanzieller Sicherheit, flexiblen Arbeitszeiten auch Selbstentfaltung und eine sinnvolle Tätigkeit bietet, die zu unserem nachhaltigen Lebensstil passt.

Aber anders als erwartet, ist es nicht unbedingt ein Konflikt zwischen Alt und Jung, zwischen Babyboomern und Millennials. So soll es ja wieder viele junge Menschen geben, für die ein traditionelles Familienleben wichtiger ist als berufliche Selbstverwirklichung. Oder aber engagierte Pensionistinnen, die sich auch im Ruhestand eine erfüllende Aufgabe suchen.

Wir leben in einer polarisierten Gesellschaft, erklärt der Kommunikationswissenschaftler Josef Seethaler, Deputy Director der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Auf der einen Seite all jene, die sich nach Sicherheit, Planbarkeit, festen Strukturen sehnen und von der Haltung ‚Es soll alles so bleiben, wie es war’ geprägt sind. Am anderen Spektrum Menschen, offen für Veränderung, denen Selbstverwirklichung und Partizipation wichtig sind.

Wiener Leadership Night 2018, Looshaus
Wiener Leadership Night 2018, Looshaus

Jede Generation hat einen anderen Zugang zur Arbeit, ist hingegen Ingrid Thür, langjährige Mitarbeiterin und Führungskraft in dem staatsnahen Unternehmen Austro Control überzeugt. Bei der Wiener Leadership Night 2018 im Februar berichtet sie von Konflikten zwischen den Generationen im Arbeitsalltag.

Davon, dass in der täglichen Arbeit erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, höchst loyal gegenüber ihrem Arbeitgeber und skeptisch gegenüber neuen Entwicklungen auf neue Kolleginnen und Kollegen treffen, die sich nach Work-Life Balance sehnen, neugierig und offen sind für Neues. Für die Führungskultur eine große Herausforderung; die streng hierarchische Führung funktioniert dann nicht mehr. Hauptaufgabe der Führungskräfte muss es daher sein, die Generationen zusammenzubringen, so Thür.

Wie sieht dieser Generationenkonflikt in österreichischen Familienunternehmen aus? Bei der Wiener Leadership Night 2018 im Wiener Looshaus zum Thema Sind Traditionen Innovationskiller für Unternehmen? kann sich Doris Wallner-Bösmüller (Bösmüller Print Management) noch sehr gut daran erinnern, dass ihr die Führung des Familienbetriebes übertragen wurde, aber bei der erfolgreichen Modernisierung zunächst die Unterstützung versagt blieb.

Auch Georg Gaugusch (Wilhelm Jungmann & Neffe) berichtet von großen Widerständen innerhalb der Familie bei der Neuausrichtung des traditionsbewussten Wiener Modeunternehmens. Johannes Hornig, der mit 25 Jahren die Kaffeerösterei Hornig aus Graz von den Eltern übernahm und das Unternehmen zeitgemäß und international aufstellte, wurde zunächst ins kalte Wasser gestoßen und genießt jetzt den großen Stolz der Eltern.

Das eigene Ego steht hier oft im Weg, ist Jeanny Gucher vom Beratungsunternehmen 4dimensions in der anschließenden Diskussion der Wiener Leadership Night überzeugt. So ist der eigene Selbstwert stark damit verbunden, ‚mit dem was immer schon so gemacht wurde’. Es ist eine Frage der Persönlichkeitsentwicklung von erfahrenen Führungskräften, einen neuen Weg zu gehen, ‚pionierhaft zu denken’, so Gucher.

Viel wurde an diesem Abend über die ‚Jungen‘, die Millennials gesprochen, doch war ich in der Minderheit bei dieser Veranstaltung. Für mich wurde klar, dass viele Vorurteile bestehen und etwas fehlt … die Empathie, der Austausch und Dialog.

Audience Engagement Day 2018, ORF
Audience Engagement Day 2018, ORF

Jung trifft auf Alt, Wertekonservative auf Selbstverwirklicherinnen: Auch in der Medienbranche ist das nicht anders. Beim Audience Engagement Day 2018 im ORF begegneten sich etablierte Print-, Radio- und TV-Journalistinnen und Journalisten und (junge) engagierte Online-Redakteurinnen und Redakteure, Medienmacherinnen mit Lust an neuen Wegen und Kulturpessimisten, um über die Zukunft des Journalismus zu diskutieren.

Eines wurde hier besonders deutlich: Im Onlinebereich sind es die motivierten Jungen, die etwas zu sagen haben. Trotz dem Druck nach Reichweite gibt es immer mehr engagierte Frauen, wie Nana Siebert (woman.at) und Lisa Stadler (derstandard.at), die als wichtige Player der österreichischen Medienlandschaft neue Wege gehen – trotz Widerständen.

Grundsätzlich scheint in unserer heutigen (Arbeits)welt etwas Wichtiges zu fehlen: Das Zuhören, das Verstehen wollen, die Empathie und der Austausch außerhalb der eigenen Elite. Und wie die Kommunikationsexpertin Kersten Kloser-Pitcher in unserem Interview treffend bemerkte, ist

‚es an der Zeit, Brücken zu schlagen und sich nicht mehr in elitäre Felder zu retten und von dort zu bewerten. Aufstehen und reden. Muskeltraining im empathischen Zuhören’. 

Wien, Februar 2018

*Millennials … auch Generation Y. Generation, die zwischen 1980-2000 geboren wurde.
Babyboomer … Generation, die zu den Zeiten steigender Geburtenraten nach dem Zweiten Weltkrieg, zwischen 1940-1964 geboren wurde. (Quelle: Wikipedia)

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Lena Marie Glaser, Founder of b_i

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