Wir und die Zukunft der Arbeit – Interview mit Miriam Mlczoch

(c) Miriam Mlczoch

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Miriam Mlczoch (41) ist die Gründerin von in love with paper.

(c) Miriam Mlczoch

Nach ihren internationalen Studien (ua. International Relations & Business Management und International Migration Policies) in Buenos Aires, Amsterdam, Maastricht und London absolvierte sie den Lehrgang Buchgestaltung / St. Pölten. Miriam hat ihren eigenen Co-working Space in Wien gegründet.

Liebe Miriam, was bedeutet Arbeit für dich?

Kreativ sein, Ideen spinnen, Spaß haben, nach Lösungen suchen, um den Status Quo zu verbessern, immer wieder neue Herausforderungen meistern. Und natürlich auch: ein Einkommen haben.

Arbeit macht dich glücklich, wenn?

…ich kreativ sein kann, mit Papier arbeite und neue Dinge entwerfe. Wenn ich im flow bin, mich weiterentwickle und durch meine Arbeit als Mensch wachse. Wenn ich mit netten Menschen zusammen arbeite und wir gemeinsam an neuen Ideen tüfteln.

Arbeit macht dich unglücklich, wenn?

…ich immer das selbe mache und die Arbeit sehr monoton ist. Wenn ich das Gefühl habe, nichts Neues mehr zu lernen. Aber vor allem: wenn ich keinen Sinn in meiner Arbeit sehe.

Woran arbeitest du gerade und was interessiert dich daran?

Ich arbeite gerade an einer Crowdfunding Kampagne für das erste Produkt meiner Firma in love with paper, das Fragenbuch Ikigai oder das gute Leben. Ikigai ist ein japanischer Begriff und bedeutet frei übersetzt „das gute Leben“.

Ikigai ist die Schnittstelle von dem, was du liebst, was du kannst, was die Welt braucht und wofür die Welt dich bezahlt. Wenn die vier Bereiche im Einklang sind, hast du dein Ikigai gefunden.

Das Buch Ikigai oder das gute Leben ist ein Fragenbuch, weil die Autorin Franka Kohler und ich meinen, dass dich gute Fragen weiter bringen als ein Ratgeber. Damit du für dich selber herausfinden kannst, was das gute Leben für dich bedeutet.

Das Buch stellt viele gute Fragen, wie:

  • Welche Tätigkeiten bringen Deine Augen zum Leuchten?
  • In welche Themen würdest du dich gerne mehr vertiefen?
  • Was würdest du gerne viel öfter tun?
  • Was fällt dir leicht?
  • Wenn jemand deine Liebsten fragen würde, wofür sie dich lieben und bewundern – Was würden sie sagen?
  • Worauf willst du an deinem 77. Geburtstag zurückblicken können?
  • Welche Herausforderungen in der Welt würdest du gerne angehen?
  • Wenn du eine Mission hättest: was wäre sie?

Die Crowdfunding Kampagne und der Aufbau von in love with paper ist natürlich gerade wahnsinnig spannend, aufregend und eigentlich interessiert mich alles daran.

Was hat dich bei deiner beruflichen Entwicklung besonders geprägt?

Mein Wunsch, immer wieder neue Dinge zu tun, zu lernen und zu wachsen. Und meine Familie: einerseits totaler Rückhalt und Unterstützung für meine Entscheidungen und andererseits die Tugend, Dinge gut und gerne zu machen.

Wie sehen deine idealen Arbeitsbedingungen aus?

Meine Arbeit sollte möglichst flexibel organisiert sein. Ich will, dass Arbeit und Familie kompatibel sind. Andererseits wünsche ich mir klare Arbeitsbereiche und -zeiten. Mein Freund -der selbständig als Grafiker arbeitet- und ich haben zwei fixe Arbeitstage pro Woche für jede/n vereinbart dh. es ist klar, wer arbeiten darf, wenn eines der Kinder krank ist.

Wo arbeitest du und was ist dir dort wichtig?

Was die Arbeitsräume angeht bin ich recht flexibel, da ich lange in Großraumbüros gearbeitet habe. Wenn ich mich konzentrieren muss, setze ich Kopfhörer auf, höre Musik und kapsel mich ab. Wichtig  finde ich, dass es Räume gibt, in denen sich Leute austauschen können ohne dabei andere bei der Arbeit zu stören.

Wie sehen die schönen Seiten und wie die Herausforderungen in deinem Job aus?

Schöne Seiten gibt es viele: ich liebe es, meine Ziele selber zu definieren, die Tage und meine Arbeitspakete selber einzuteilen und dazwischen mal mit einer Freundin einen Kaffee trinken zu gehen. Nicht mehr so durch den Tag zu hetzen. Das ist eine ganz neue, wunderbare Freiheit.

Ich liebe es, etwas ganz Eigenes, mein eigenes Ding zu machen und bin jetzt schon stolz darauf, es wirklich gemacht zu haben, mich getraut zu haben. Dass ich jetzt nicht nur schöne Dinge aus Papier bewundere, sondern sie selber gestalte und dann produzieren lasse. Damit habe ich mir einen Traum erfüllt. Das ist schon sehr besonders.

Und dann dieser wunderbare Prozess: wie etwas von einer ersten Idee stetig wächst, immer konkreter wird, Form annimmt und schließlich ganz real wird und angreifbar. 

Als Herausforderung empfinde ich momentan einerseits die Unsicherheit, die mit der Selbständigkeit kommt und die natürlich besonders am Anfang besonders drängend ist. Wovon werde ich leben? Geht sich das dann überhaupt aus?

Ich will und kann mich nicht daran gewöhnen, alleine zu arbeiten. Dazu arbeite ich viel zu gerne mit anderen zusammen und finde auch, dass Produkte und Projekte meist viel besser werden, wenn man gemeinsam mit anderen daran arbeitet. Weil jede/r ganz unterschiedliche Perspektiven und Stärken mitbringt.

Derzeit versuche ich dies durch Austausch und Feedback mit anderen Gründerinnen und Gründern auszugleichen und hoffe, dies bald auch in unserer Bürogemeinschaft zu erleben, wo es dann auch mehr Möglichkeiten geben gibt, sich auszutauschen und gegenseitig weiterzubringen.

Wie muss erfüllende Zusammenarbeit für dich gestaltet sein?

Kompetenz, Respekt und Wertschätzung für die Stärken der anderen sowie Kompromissbereitschaft und Verlässlichkeit finde ich für eine gute Zusammenarbeit wichtig. Und natürlich helfen eine positive Einstellung und feiner Humor. Weil es soll ja Spaß machen.

Vor welchen Herausforderungen steht die heutige Arbeitswelt aus deiner Sicht?

Ich erlebe die ständige Erreichbarkeit und Ablenkung durch Mobiltelefone, soziale Medien und Emails als ziemlich kritisch. Es ist dadurch zunehmend schwer, abzuschalten und sich auszuklinken. Aber das ist essentiell, gerade für die kreative Arbeit und das Arbeiten im Flow. Ich plane zB. “kommunikationsfreie”  Zeiten für konzentriertes Arbeiten ein.

Gesellschaftlich erschweren es unsichere und oft kurze Arbeitsverhältnisse den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend, ihre Arbeit und somit ihre Existenz auf längere Sicht anzulegen.

Was würdest du tun, wenn du aus finanziellen Gründen nicht mehr arbeiten müsstest?

Ich würde genau das machen, was ich derzeit mache, aber mit mehr finanziellen Ressourcen und mehr Sicherheit.

Danke Miriam!

Habt ihr Fragen und Anregungen? Schreibt mir: Lena@basicallyinnovative.com

Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Julia Andorfer

(c) Julia Andorfer

Lena Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Von Lena Glaser

Julia Andorfer (30) ist selbstständige Psychologin, Unternehmensberaterin und Yogalehrerin. Derzeit auf Weltreise.

Sie studierte Psychologie an der Universität Wien & University of Western Australia, Perth mit Spezialisierung auf Arbeits- und Organisationspsychologie, absolvierte eine lösungsfokussierte & hypnosystemische Coaching-Ausbildung sowie das Yoga Teacher Training RYT200. Mehr über Julias Arbeit: „Julia Andorfer | Personal Development“

Liebe Julia, was bedeutet Arbeit für dich?

Zeit und Energie aufzuwenden, um meine Herzensprojekte umzusetzen und damit Menschen zu unterstützen, „JA!“ zu sich selbst zu sagen und den eigenen Weg zu gehen. Und gleichzeitig davon leben zu können.

Arbeit macht dich glücklich, wenn?

… es sich nicht wie anstrengende Arbeit anfühlt, sondern leicht und erfüllend ist, ich in einem Flow-Gefühl schwebe und andere durch mein Tun bereichern und bestärken darf.

Woran arbeitest du gerade und was interessiert dich daran?

Aktuell erfülle ich mir gemeinsam mit meinem Freund einen sehnlichen Wunsch: wir sind 9 Monate auf Weltreise. Dadurch sorge ich für meine persönliche Weiterentwicklung und finde Inspirationen für meine Projekte in den unterschiedlichen Ländern sowie deren Menschen und Kulturen. Meine Eindrücke der „Best of der EINZIGARTIGKEITEN UND EIGENHEITEN” jedes bereisten Landes halte ich auf meinem Blog www.juliaandorfer.com/blog fest.

Was war dein Traumberuf als Kind?

Straßenkehrerin – ich hatte schon immer ein großes Sauberkeits- und Ordnungsbedürfnis und fand die Vorstellung von sauberen Straßen wunderbar und sehr befriedigend. Bis ich feststellte, dass dies eine Sisyphusarbeit ist und der Zielzustand nur selten erreicht bzw. lediglich von kurzer Dauer ist.

Was hat dich bei deiner beruflichen Entwicklung besonders geprägt?

2016 war für mich ein Umbruchsjahr – nach 2,5 Jahren als Angestellte in der Unternehmensberatung merkte ich, dass es Zeit für Veränderung war und ich mich noch mehr persönlich entfalten wollte. Daher traf ich eine „Bauchentscheidung“ und gab meinen vermeintlich sicheren Job auf – noch ohne langfristigen Plan…

Mein kurzfristiger Plan war folgender: Noch am Abend meines letzten Arbeitstags bin ich mit dem Nachtbus nach Hamburg gefahren, zu meiner Schwester, das Fahrrad im Gepäck. Dort begann mein großes Abenteuer: 1228km von meiner Herzensstadt Hamburg in meine Heimatstadt Wien.

12 Tage alleine am Fahrrad im Hochsommer quer durch Deutschland. Kein Unwetter, kein Regen, kein Platten. Dafür Umwege, Abwege, Abzweigungen, die reizvoll waren. Und genau das war meine wertvolle Erkenntnis: Es passiert so vieles, während man am Weg ist! Seit damals ist diese Reise die Metapher für „meinen Weg“ – und gab mir den Mut für die Selbstständigkeit!

Wie sehen deine idealen Arbeitsbedingungen aus?

Flexibilität und Selbstbestimmung sind für mich extrem wichtig und wertvoll. Ich mag die Abwechslung und die Entscheidung, wann und wo ich mich welchen Inhalten widmen mag. Als „early bird“ nutze ich gerne den frühen Morgen für konzentriertes Arbeiten und schätze das intensive Arbeiten mit Menschen.

Wo arbeitest du und was ist dir dort wichtig?

Die Vielfalt meiner Tätigkeiten erlaubt es mir, unterschiedliche Arbeitsorte zu nutzen und dabei zeitgleich auch nicht auf mein eigenes Wohlbefinden zu vergessen. So bereite ich gerne Konzepte für Workshops oder Yoga-Retreats vor, während ich selbst auf Reisen bin. Hier finde ich stets die besten Inspirationen und Ideen!

Ich schätze es ebenso, z.B. von einem Kundentermin am Fahrrad zu meiner Yogastunde an einer Wiener Schule zu fahren. Dieser Weltenwechsel ist für mich selbst eine gute Art ab- bzw. umzuschalten. Auch wenn das zugegebenermaßen auf Knopfdruck nicht immer leicht ist.

Wie sehen die schönen Seiten und wie die Herausforderungen in deinem Job aus?

Menschen auf ihrem eigenen Weg zu begleiten und zu unterstützen, ihr Potenzial auszuschöpfen und ihre Einzigartigkeit zu leben, erfüllt mich zutiefst. Das Lächeln meiner entspannten Yoga-SchülerInnen oder die Dankbarkeit meiner Retreat-TeilnehmerInnen bestätigt mich, dass mein Tun SINN-voll und SINN-erfüllt ist.

Als zentrale Herausforderung in der Selbstständigkeit erlebe ich nach wie vor den Umgang mit dem Gefühl, es sei „nie genug“, es warten stets noch offene To Dos für das eigene Business. Ebenso erfordert es viel Vertrauen mit der unsicheren Auftragslage zurechtzukommen.

Wie muss erfüllende Zusammenarbeit für dich gestaltet sein?

Auf Augenhöhe, ehrlich und gegenseitig bereichernd – denn in jeglichem Kontext lerne auch ich selbst sehr viel von meinen KundInnen und deren individuellen Fragestellungen. So ist es ein stetes Geben und Nehmen – darüber schätze ich mich sehr glücklich!

Wie sollte Arbeit in Zukunft aussehen? Was ist deine Traumvorstellung und wie könnte es realistisch sein?

Flexibilität ist ein ganz wesentlicher Faktor für mich für eine gute Work/Life-Balance und ein Aspekt meiner Selbstständigkeit. Daher bin ich auch ein großer Fan von Jobsharing. Zum Beispiel kenne ich die Gründerinnen von Tandemploy aus Berlin, zwei Frauen, die in Deutschland eine Plattform für Jobsharing und flexibles Arbeiten aufgebaut haben. Nach dem Motto „0,5 + 0,5 = 1,5“ teilen sich in zunehmend mehr Unternehmen zwei ähnlich qualifizierte Personen eine Stelle.

Dadurch wird anspruchsvolle Teilzeitarbeit ermöglicht. Nebenbei bleibt Zeit für anderes: freiberufliche Projekte, individuelle Talententfaltung, sinnerfüllte Tätigkeiten und erleichterte Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Mittlerweile gibt es viele ähnliche gute Beispiele und tolle Bewegungen, die flexibles Arbeiten fördern und erleichtern.

Danke Julia!


Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Monika Kletzmayr

Von Lena Marie Glaser

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Monika Kletzmayr, Dwarfs and Giants Frauen und die Zukunft der Arbeit
Monika Kletzmayr, (c) dwarfs and Giants
Monika Kletzmayr (36)

Aktueller Job: „Evolutionary Catalyst“ bei dwarfs and Giants

Ausbildung: Schon nicht mehr wahr, aber: BWL und Wirtschaftspädagogik-Studium, zahlreiche Ausbildungen zu systemischer Organisationsentwicklung, Coaching, Holacracy, Yoga und viiiiiel self-reflection.

Arbeit bedeutet für mich … mich zum Ausdruck zu bringen.

An meiner Arbeit schätze ich … dass sie mich „an meinem Innersten packt“.

An meiner Arbeit mag ich weniger … dass man oft schnell sein muss obwohl mehr Langsamkeit der Sache dienlicher wäre.

Mein idealer Arbeitsplatz ist (inhaltlich, räumlich) … überall (obwohl das mit meiner kleinen Tochter momentan eher schwierig ist) mit Menschen in/an Transformation.

Woran arbeitest du gerade? Ich energetisiere während meiner Karenz gerade nur wenige Rollen: ein Kundenprojekt wo es darum geht, als Organisation agiler zu werden; als Coach in unserem Lernprogramm next:pedition und einige intern fokussierte Rollen, die dabei unterstützen, neue Organisationsmitglieder/Partner bei dwarfs and Giants fachlich und holakratisch gut onzuboarden. Außerdem beschäftige ich mich immer damit, wie ich NOCH mehr davon tun kann, was ich wirklich wirklich will.

Was interessiert dich daran? In Zusammenarbeit mit Menschen zu transformieren, was transformiert werden will.

Was ist dir dabei wichtig? „Safe spaces“ zu schaffen, die es ermöglichen, offen, auf Augenhöhe und in Tiefe zu arbeiten.

Wie bist du zu diesem Job/Aufgabe gekommen? Zuerst mal bin ich gesprungen: aus dem sicheren Anstellungsverhältnis in die Selbstständigkeit, und dann hat irgendwie eines zum anderen geführt. Alte Verbindungen haben sich vertieft und neue haben sich geschaffen, durch einem ähnlichen Purpose verbunden.

Welche Herausforderungen siehst du in der heutigen Arbeitswelt? Wahre Bedeutung zu schaffen anstatt irgendwelchen Zahlen/Euros zu dienen.

Wie siehst du die Zukunft der Arbeit? Optimistisch oder mit Sorge? Warum? Sowohl als auch. Optimistisch weil mehr und mehr Räume entstehen, in denen sich Menschen entfalten können, wenn sie das möchten. Mit Sorge weil großteils Systeme geschaffen wurden/werden, die wenig Klarheit und Transparenz bieten, die in sich selbst verdreht sind (Vertauschen von Zweck und Mittel) und die auf Maximierung ausgerichtet sind.

Wie glaubst du arbeiten wir in 20 Jahren im Gegensatz zu heute? Ganz ehrlich, keine Ahnung. Was ich hoffe ist, dass Flexibilisierung und Freiheit auch in den gesetzlichen Reglements ankommen (zB Gewerbeordnung, etc.).

Zum Arbeitsplatz: Wo arbeitest du (Büro, zu Hause, Co-working space)? Was ist dir dort wichtig? Genau dort ;-). Und im Zug, am Flughafen, beim Kunden, im Café, …. Wichtig ist mir gutes W-lan, ein angenehmes Ambiente und keine zu laute Geräuschkulisse.

Wenn du genug Geld hättest und auch sonst keine Beschränkungen, was wäre dein Traumjob? Ich denke, es geht nicht immer um das „Was“, sondern darum, welche Qualitäten von Arbeit einem wichtig sind. Und die kann man dann ganz gratis in das einbauen, was man gerade so macht. Und die meisten Beschränkungen macht man sich sowieso selbst. Mal ganz ehrlich: was hält uns denn WIRKLICH ab? Aber etwas fällt mir dann doch ein, als Antwort auf deine Frage: Dann würde ich den Menschen sagen, sie können aufhören zu rennen und zu suchen. Sie können stehenbleiben, wo sie sind. Und dann würde ich sie dabei unterstützen, nach innen zu schauen und zu sehen, wer sie wirklich sind. Was stünde dann bloß auf meiner Visitenkarte? 😉

Wie stehst du zum bedingungslosen Grundeinkommen? Ja! Es braucht mehr Experimente, die ersten sind ja ganz vielversprechend. Und dann kann sich vielleicht unser Bild von Arbeit weiter transformieren. Wobei, früher dachte ich, es sei so wichtig, dass jeder seinen Purpose findet und den „richtigen“ Job dazu. Mittlerweile bin ich da gelassener geworden.

Danke, Monika!

 

Wir und die Zukunft der Arbeit – Interview mit Isabel Oostvogel

Von Lena Glaser

Lena Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Isabel Oostvogel Frauen und die Zukunft der Arbeit
Isabel Oostvogel
Isabel Oostvogel

Aktueller Job: Seit einiger Zeit bin ich beratend im Bereich des Corporate Innovation aktiv. Dieses Feld ist breit und so ist auch die Arbeit. Wie können Unternehmen innovativer, zukunftsfähiger und kreativer sein? Welche neuen Services oder Produkte wünschen sich die Kunden? Welche Business Modelle braucht es morgen und was bedeutet Digitalisierung für große und kleine Unternehmen? In den letzten Monaten habe ich mich vor allem in dem Bereich Startup – Unternehmenskooperationen bewegt und versucht die erfolgreiche Zusammenarbeit zu begleiten.

Ausbildung: Studiert habe ich Management Sozialer Innovation – ein in der Zeit noch neuerer Studiengang mit dem Ziel, nachhaltiges Wirtschaften sowie die Zusammenarbeit der Politik, Wirtschaft sowie Gesellschaft zu fördern, um innovative und nachhaltige Konzepte und Lösungen zu entwickeln.

Arbeit bedeutet für mich… eine Form der Weiterentwicklung meines Selbst, eine Art der eigenen Entfaltung sowie des Lernens und Umgeben sein von neuen Herausforderungen. Ich arbeite gerne, umso wichtiger ist es jedoch, dass ich Spaß habe an dem was ich tue und Raum für Freizeit, Auszeit und Reflexion vorhanden bleibt.

An meiner Arbeit schätze ich… dass ich stets Neues lerne, es nicht langweilig wird und ich in viele verschiedene Ecken schnuppern darf. Ein neuer Kunde, eine neue Industrie, ein neuer Bereich, neue Ansätze und Ideen, Konzepte und Geschäftsmodelle. Mit viel Verantwortung geht auch ein gewisser Freiraum in der Gestaltung der Projekte einher. Auch das schätze ich sehr.

Die Herausforderungen meiner Arbeit sind… Die Schnelligkeit im Bereich Technologie, Innovation und Entrepreneurship verlangt rasches Handeln und sowie immer „einen Sprung voraus“ zu sein. Man wird keine Expertin einer Industrie, sondern Expertin in der Koordinierung und Zusammenführung der richtigen Stakeholder, in der Einbindung der passenden Methoden und Herangehensweisen sowie im Andersdenken. Es ist so spannend, aber auch schade, da oftmals Raum für Tiefe fehlt.

Woran arbeitest du gerade? Ich befinde mich aktuell im Übergang zu einer neuen Herausforderung. Bis kürzlich habe ich etablierte Unternehmen bei der Kooperation mit Startups begleitet und ein Innovationprogramm entwickelt, welches die Partnerorganisationen rund um Innovation unterstützen soll.

Was interessiert dich daran? Gerade das Thema der Innovationskultur in Unternehmen interessiert mich. Unternehmen müssen sich vielen Änderungen stellen. Wichtig ist es hierbei, von Beginn an das ganze Unternehmen mitzunehmen und die Kultur in der Organisation zu verändern.

Mir ist wichtig, mit allen Stakeholdern zusammenzuarbeiten, die an der Veränderung beteiligt sind – oft werden die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen erst zu spät eingebunden. Sie sind jedoch der Hebel für Veränderung und Innovation in der Organisation.

Wie sieht dein idealer Arbeitsplatz aus? Innovation, Open Innovation, Ideen in Prototypen übersetzen, neue Business Modelle entwickeln… All dieses und vieles mehr aus dem Feld Innovation sind spannend. Mein idealer Arbeitsplatz schafft die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer zu lernen und gemeinsam zu wachsen.

Er gibt mir die Freiheit, Dinge auszuprobieren, aber stellt mir Inhalte sowie Sparringpartner bereit, die meine Arbeit herausfordern. Entscheidend sind zudem klare Ziele und Visionen, sowie Vertrauen und Transparenz. Wenn diese Dinge fehlen, kann eine ganze Organisation ins Schwanken kommen – wie ich lernen durfte.

Wo arbeitest du und was ist dir dort wichtig? Mein idealer räumlicher Arbeitsplatz muss ordentlich, aber abwechslungsreich und bunt sein, sodass er Raum für Kreativität und freies Denken bereitstellt. Gerne wechsle ich meine Perspektiven und tausche den Arbeitsort. Ich arbeite vorwiegend im Büro, sonst zu Hause und auch viel von unterwegs – im Zug oder in Cafés. Wichtig ist mir auf der einen Seite Ruhe (auch gegeben durch gute Musik) sowie Inspiration, die mir ein Ort oftmals gibt. Darum wechsle ich gerne den Arbeitsort.

Vor welchen Herausforderungen steht die heutige Arbeitswelt? Eine Herausforderung sind die sich ändernden Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Angestellten wollen heutzutage mehr als nur „arbeiten“ – sie wollen lernen, wachsen und einen Mehrwert schaffen. Unternehmen müssen daher die Aus – und Weiterbildung sowie das Arbeiten in der Organisation verändern, um den Trend des Studierens aufzugreifen bzw. dem Mangel an Azubis entgegenzuwirken.

Es braucht innovative, kreative Kulturen, die das Mitgestalten sowie Reflektieren ermöglicht und Wissenserwerb und eigenes Engagement fördert. Die Organisation muss ein Raum für lebenslanges Lernen, auch über die eigentliche Tätigkeit der Person hinaus werden. Hier hinzukommt die Digitalisierung. Auch hier sind Organisationen in der Verantwortung, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu befähigen und diese Herausforderung gemeinsam zu gestalten.

Aktuell stehen hier noch Hierarchien und Bürokratiestrukturen im Weg, die es unmöglich machen, Ängste zu verlieren und Experimente zu starten. Ich komme wieder auf meinen Punkt der Kultur zurück – Innovationen und Veränderungen sind immer sozial eingebettet. Wenn sie nicht durch die Menschen gelebt wird, scheitert die beste Innovation.

Wie siehst du die Zukunft der Arbeit? Es steht viel an – trotzdem sehe die Zukunft der Arbeit optimistisch und blicke ihr mit Spannung entgegen. Die Zukunft der Arbeit wird durch die verschiedenen Bedürfnisse immer unterschiedlicher. Es wird nicht die eine ideale Lösung geben, aber genau das macht es so interessant.

Die Unternehmen sollten starten, die eigene Organisation wie die Kundenwelt zu betrachten und auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hören: Wer seine Kunden kennt, der darf sich glücklich schätzen, denn das führt zu Erfolg. Zumindest wenn die Kundenerwartungen erkannt und erfüllt werden.

Wie glaubst du arbeiten wir in 20 Jahren? Puh… Eine Sache ist klar – die Arbeitswelt ist digital. Die räumliche Nähe ist nicht mehr ausschlaggebend, die Flexibilisierung der Arbeit bereits Standard. Die Organisationen sind neu aufgebaut und strukturiert, Hierarchien spielen kaum mehr eine Rolle und neue Formen der Zusammenarbeit – interdisziplinär, bereichsübergreifend, agile Projektzyklen – sind Alltag.

Die Weiterentwicklung wird gefördert, um den Wissensanforderungen an die Organisation sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entsprechen. Die Organisationen sind als Begleitung der Menschen im Alltag stark in Innovationsökosystemen vernetzt. In diesen Systemen arbeiten verschiedene Organisationen und Institutionen zusammen, um gemeinsame, neue Ziele, entfernt von Kerngeschäften anzugehen.

Wie stehst du zum bedingungslosen Grundeinkommen? Ein spannendes Thema und eine tolle Sache. Mit den Szenarien unserer Zukunft ist es wichtig, ein Grundeinkommen bereitzustellen, dass unabhängig von der Arbeit ist. Jedoch muss hierfür der gesamte Begriff der Arbeit neu definiert und die neue Lebenswelt vom Staat vorgelebt werden. Nur so können Ungleichheiten, wie sie bei Reformen des Harz IV in Deutschland entstanden sind, vermieden werden.

Am Ende ist das Geld zwar ein wichtiges Mittel, jedoch nicht der ausschlaggebende Faktor. Viel wichtiger – und ich bleibe der Aussage treu – ist es, die Menschen zu begleiten und die Ausbildung von Jung und Alt zu fördern. Die Bevölkerung wird so befähigt, sich mit neuen Aufgaben und Verantwortungen auseinanderzusetzen.

Was würdest du tun, wenn du ausreichend Geld hättest? Mein Traum wäre es, mehr körperlich und vor Ort aktiv zu sein, mich für die Gesellschaft oder Natur einzusetzen und nicht mehr so viel vor dem PC zu sitzen. Ich möchte raus und dort sein, wo Hilfe benötigt, wo etwas umgesetzt, zusammengearbeitet, Mehrwerte geschaffen, Menschen befähigt und in Lösungen gedacht wird.

Danke, Isabel!

Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Lena Robinson

Von Lena Glaser

Lena Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Lena Robinson Frauen und die Zukunft der Arbeit

Lena Robinson (31)

Aktueller Job: Managing Partnerin bei Playful Solutions

Ausbildung: Anthropologiestudium an der Uni Wien, Masterstudium Sozialwirtschaft und Soziale Arbeit an der FH Campus Wien

Arbeit bedeutet für mich … ganz persönlich: Handlungsfähigkeit, Antrieb, Gemeinschaft

Arbeit macht mich glücklich, wenn … ich bedeutungsvolle Erfahrungen für Leute schaffen kann.

An meiner Arbeit mag ich weniger … vielleicht bin in noch in der Honeymoon Phase … ehrlich gesagt fällt mir nichts ein.

Woran arbeitest du gerade? Ich arbeite an vielen Sachen gleichzeitig. Besonders happy bin ich mit dem „We Make Games” Projekt, in dem Schülerinnen und Schüler Ideen für Computerspiele erfinden und mit der Hilfe von Profis aus der Game Szene umsetzen. Junge Leute sollten einen Haufen Möglichkeiten bekommen, wo sie ihre Kreativität ausleben können, dabei ernst genommen werden und von Profis unterstützt werden.

Was ist dir in deiner Arbeit wichtig? Puh… mir ist extrem viel wichtig. Vor allem ist mir wichtig, dass ich mich durch meine Arbeit ausdrücken kann, dass ich immer Neues lerne, dass ich in guter Gesellschaft bin, dass ich was Sinnvolles machen kann – genau wie in anderen Bereichen meines Lebens.

Wie bist du zu deinem Job gekommen? Ich glaube, ich bin einfach meinem Bauchgefühl gefolgt. Ich war nach dem Anthropologie-Studium in New York und habe zuerst im Kulturbereich, dann im Tourismus gearbeitet. Zurück in Wien bin ich in die Startup-Szene gestolpert und habe mich immer mehr fürs Thema Bildung interessiert, dann für Experience Design und Facilitation.

Irgendwo in dem Prozess bin ich dem Konstantin begegnet (dem Gründer von Playful Solutions). Spiel als Erlebnis, als Medium und auch als Lösung für Herausforderungen unserer Zeit – das ist für mich Playful Solutions und das hat mich von Anfang an sehr begeistert. Ich habe davor schon mit spielerischer Vermittlung gearbeitet, aber bei Playful Solutions konzentrieren wir uns ganz darauf. Und machen alles: von der Konzeption von Lernplattformen bis zu kompetitiven Escape Room – Weltmeisterschaften.

Lena Robinson Frauen und die Zukunft der Arbeit

Was wolltest du als Kind/Jugendliche werden? Ich wollte Sekretärin werden – ich habe immer die vorgedruckten Spenden-Erlagscheine von der Post geholt und sie ausgefüllt. Außerdem hatte ich ein aufgeklapptes A4-Buch auf das ich einen Laptop gezeichnet habe (habe ich immer noch). Ja, man könnte sagen… ich tippe sehr viel am Computer und die Buchhaltung mache ich auch :-).

Was hat dich bei deiner beruflichen Entwicklung besonders geprägt? Ganz spontan – meine Freundin Anna, die eine große Inspiration für mich ist. Sie hat mir vor ein paar Jahren ein Buch zum Lesen gegeben: Presence von Senge/Scharmer/Jaworski/Flowers. Es hat mich extrem berührt, dass diese erfolgreichen und kompetenten Leute sich zusammensetzen, um zu reflektieren was die Welt von ihnen braucht. Und dass sie durch ihre Arbeit – die Begleitung von Change-Prozessen – so viel bewegen können. Das hat mich ultimativ zu Facilitation und Experience Design gebracht.

Wie muss deine ideale Zukunft der Arbeit organisiert sein? Also momentan brauche ganz viel Freiraum. Ich will mir alles selbst einteilen können und auch Aufgaben und Projekte ablehnen können, wenn ich nicht dahinter bin. Dafür bin ich, glaube ich, extrem committed. Deshalb geht das.

An welchen Orten arbeitest du? Wie muss der ideale Arbeitsraum dort gestaltet sein? Ich arbeite zuhause, im Büro und im Co-working space. Ich brauche das Büro aber dringend. Es ist gut zu wissen, dass ich dort hinkommen und meine Kollegen vorfinden kann – wenn sie nicht selbst gerade durch die Welt reisen. Jetzt gerade sind sie in San Francisco, um dort österreichischen Game Developer mehr Sichtbarkeit zu geben.

Wir suchen gerade selbst ein neues Büro, deshalb denke ich viel darüber nach, was mir wichtig ist. Auf jeden Fall hätte ich gerne multifunktionale Räume, die den Wandel mitmachen können, der ja tatsächlich bei uns in der Firma passiert. Ich liebe das Handbook for New Employees von Valve, einem amerikanischen Game Developer. Seitdem will ich unbedingt rollende Tische.

Lena Robinson Frauen und die Zukunft der Arbeit
Lena Robinson

Wie wichtig ist dir die Zusammenarbeit mit anderen? Was braucht es für eine erfolgreiche, erfüllende Kollaboration? Zusammenarbeit ist mir am allerwichtigsten. Ich merke, dass mich die Projekte am meisten motivieren in denen eine gute Zusammenarbeit besteht. Ich denke, einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist Klarheit und eine gewisse Übereinstimmung über den Sinn und Zweck des gemeinsamen Unterfangens.

Dann ist es kritisch, dass man diesen nicht aus den Augen verliert. Menschen arbeiten unterschiedlich und haben in einer Zusammenarbeit auch unterschiedliche Bedürfnisse. Wichtig ist, dass die Kommunikation gut funktioniert und dass es Raum für die Meta-Ebene gibt.

Welche Herausforderungen, Probleme siehst du in der heutigen Arbeitswelt? Ich glaube die Arbeitswelt ist zu breit, um diese Frage gut zu beantworten. Ich finde es furchtbar, dass so viele Menschen im totalen Prekariat arbeiten und leben. Und dass manche Jobs anscheinend nichts mehr wert sind und andere vollkommen absurd entlohnt werden.

Mir ist vollkommen klar, dass ich extrem privilegiert bin. Nicht nur mit meinem Job, den ich liebe, sondern auch durch den Kontext, aus dem ich komme. Ich habe eine gute Ausbildung, ich traue mir sehr viel zu, ich kann Risiken eingehen, ich habe ein gutes Netzwerk.

Ich bin regelmäßig extrem dankbar dafür und beobachte mit großem Unmut und auch mit großer Angst den Sozialabbau in Österreich. Ich bin oft in den USA, dort sind überall obdachlose Menschen in Schlafsäcken und in Zelten: in Seattle, in San Francisco, in New York. Ich sehe momentan nicht, wie wir im jetzigen System durch Arbeit mehr Gleichheit schaffen können.

Wie glaubst du sieht die Zukunft der Arbeit aus? Bist du eher optimistisch oder siehst du schwarz? Ich kann die Zukunft nicht vorhersehen. Es wird immer Organisationen geben, die neue und bessere Wege einschlagen werden zu arbeiten (zum Beispiel wie die in Reinventing Organizations von Frederic Laloux).

Aber so lange wir als Bürgerinnen und Bürger akzeptieren, dass unser Wirtschaftssystem auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist (von der wir profitieren) und solange wir zusehen müssen, wie die regierenden Politikerinnen und Politiker dieser Welt völlig machtgetrieben und kompetenzlos agieren… naja, da finde ich es schwer, ein positives größeres Bild zu zeichnen.

Was wir bei Playful Solutions versuchen vorzuleben, ist uns anfangs Klarheit über den Sinn und Zweck von jedem Projekt zu schaffen. Bei uns geht es oft um eine bedeutungsvolle Spielerfahrung. Holacracy, ein System mit dem wir teilweise arbeiten nennt das “Purpose”. Es gibt hoffentlich immer mehr Organisationen, die eine ähnliche Haltung einnehmen und damit einen Wert mit ihrer Arbeit schaffen können.

Vorausgesetzt, du hättest genug Geld – würdest du trotzdem arbeiten, und was? Auf jeden Fall! Ich würde weiterarbeiten, ich habe wirklich einen wunderbaren Job. Wahrscheinlich würde ich nach und nach Projekte selbst finanzieren und mit meinem Team und weiteren willigen Komplizinnen und Komplizen umsetzen :-). Ich glaube, in Game Design als Handwerk und in Spiel als Erfahrungsraum liegen noch viele Schätze begraben.

Wie findest du die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens? Puh, ich denke, das ist ein sehr komplexes Thema. Man weiß einfach noch wenig über die tatsächlichen Auswirkungen, die ein bedingungsloses Grundeinkommen haben könnte. Ich finde prinzipiell die Idee, dass jeder Mensch frei ist und tun kann was er will und kann, schön aber auch sehr utopisch.

Aber ich finde die Diskussionen sehr spannend, gerade vor dem Hintergrund der Automatisierung – viele unserer Jobs wird es wahrscheinlich nicht mehr geben. Aber gehen wir davon aus, dass jeder Mensch von sich aus weiß, wie er sich gesellschaftlich einbringen kann?

Ein anderes Projekt von uns heißt „Superpower Discovery“ und es geht darum, spielerisch die eigenen Stärken zu explorieren. Wir leben seit unserer Kindheit in so starken Bahnen, dass eine der wichtigsten Fragen – die nach den eigenen Talenten – völlig liegen bleibt.

Danke dir!

Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Antonia Wenzl

Von Lena Marie Glaser

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Antonia Wenzl waff Frauen und die Zukunft der Arbeit
Antonia Wenzl
Antonia Wenzl (37)

Aktueller Job: Bildungs- und Berufsberaterin beim Wiener ArbeitsnehmerInnenförderungsfonds (waff)

Ausbildung: Studium Germanistik, Deutsch als Fremdsprache und Gender Studies, verschiedene Zusatzausbildungen in der Erwachsenenbildung und Beratung.

Arbeit bedeutet für mich… Ziele zu verfolgen, die für mich sinnstiftend sind und an noch mehr Chancengerechtigkeit für möglichst viele mitzuwirken.

Arbeit macht mich glücklich… wenn ich in wertschätzenden und gut strukturierten Arbeitsumfeldern mit spannenden Kolleg_innen arbeiten kann und ich dabei laufend Neues lerne.

Woran arbeitest du gerade? Im Beratungszentrum für Beruf- und Weiterbildung des Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds (waff) berate ich Wiener_innen, die sich beruflich weiterentwickeln wollen und/oder eine Höherqualifizierung anstreben.

Täglich kommen Menschen zu mir in die Beratung, mit denen ich an ihren beruflichen nächsten Schritten und ihren Ausbildungszielen arbeite. Am meisten interessieren mich daran die unterschiedlichen Berufsbiografien und Lebensgeschichten.

Was ist dir in deiner Arbeit wichtig? Im Laufe der Jahre habe ich herausgefunden, dass es mir besonders wichtig ist mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ähnliche Grundhaltungen haben. Auch ein wertschätzender, kollegialer Umgang und transparente Strukturen sind mir wichtig.

Wie bist du zu deinem Job gekommen? Die Stelle war ausgeschrieben und ich habe mich ganz klassisch beworben.

Was wolltest du als Kind/Jugendliche werden? Ich wusste eigentlich nie, was ich werden wollte. In der Rückschau hatte ich aber auch nicht sehr viel Einblicke in mögliche Arbeitsfelder. Das jedenfalls habe ich jetzt in meinem Job.

Was hat dich bei deiner beruflichen Entwicklung besonders geprägt? Die Chancen, die das österreichische Bildungssystem mir geboten hat und die Erfahrung, dass ich die Dinge in die Hand nehmen kann und etwas verändern kann, wenn ich unzufrieden bin.

Wie muss deine ideale Zukunft der Arbeit organisiert sein? Die flexiblen Arbeitszeiten, die ich in meinem Job habe, weiß ich sehr zu schätzen. Ich habe zwei Kinder und auch deshalb ist mir Vereinbarkeit ein Anliegen.

Aber auch für Menschen ohne Betreuungspflichten erscheint es mir wichtig, dass Arbeitsverhältnisse so gestaltet sind, dass sie uns ausreichend Energie für andere Dinge im Leben lassen.

An welchen Orten arbeitest du? Wie muss der ideale Arbeitsraum gestaltet sein? Ich erwerbsarbeite derzeit ausschließlich im Büro und weiß diese Abgrenzung vom Privaten sehr zu schätzen.

Natürlich bringt es auch Freiheiten mit sich an unterschiedlichen Orten tätig zu sein. Ich tue mir aber ohnehin schwer, die Arbeit im Kopf nicht mit nach Hause zu nehmen. Wenn sie zumindest physisch dort verortet bleibt, wo ich auch arbeite, dann macht es das für mich einfacher.

Ein idealer Arbeitsraum braucht für mich außerdem Begegnungsräume für den informellen Austausch mit Kolleg_innen.

Wie wichtig ist dir die Zusammenarbeit mit anderen? Was braucht es für eine erfolgreiche, erfüllende Kollaboration? Für mich ist es unglaublich bereichernd, dass ich mich täglich mit Menschen austauschen kann, die vor den gleichen Herausforderungen stehen und von denen ich lernen kann.

Sehr wertvoll erlebe ich eine möglichst große Diversität in Teams und die Fähigkeit unterschiedliche Sichtweisen und Problemlösungszugänge wertschätzen zu können.

Welche Herausforderungen, Probleme siehst du in der heutigen Arbeitswelt? Im Beratungszentrum für Beruf und Weiterbildung des waff habe ich viel Kontakt mit niedrigqualifizierten Menschen und dequalifiziert Beschäftigten. Für die meisten von ihnen sind innovative Arbeitsmodelle, oder auch nur flexible Arbeitszeiten und selbstgewählte Arbeitsorte unbekannte Welten, die nichts mit ihrem Alltag zu tun haben.

Ich finde es wichtig, dass wir, wenn es um die Weiterentwicklung der Qualität von Arbeit geht, nicht nur Hochqualifizierte im Blick haben. Sondern uns als Gesellschaft auch damit auseinandersetzen, wie das für Menschen gelingen kann, die in Hilfstätigkeiten beschäftigt sind.

Für sie ist es jetzt schon teilweise sehr schwer. Sie sind häufiger und länger arbeitslos und Belastungen ausgesetzt, die nicht immer tragbar sind. Die Errungenschaften durch Digitalisierung und Automatisierung müssen meines Erachtens auch daran gemessen werden, wie sie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen dieser Zielgruppen beitragen.

Zusätzlich erscheint mir die Auseinandersetzung mit der Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen den Geschlechtern wichtig. Denn nur wenn hier eine Umverteilung gelingt, wird sich der Gender Pay Gap und insbesondere auch der Gender Pension Gap in Österreich verringern.

Wie glaubst du arbeiten wir in den nächsten 20 Jahren? Bist du eher optimistisch oder siehst du schwarz? Ich bin grundsätzlich optimistisch. Obwohl es meiner Meinung nach nicht möglich ist vorherzusagen, wie wir in 20 Jahren arbeiten werden. Das wird auch weiterhin sehr vom Arbeitssektor und dem jeweiligen Tätigkeitsfeld abhängen.

Zentral erscheint mir dafür, inwiefern es uns gelingt, die Digitalisierung für soziale Innovationen zu nutzen. Wenn etwa manuell durchgeführte Routinetätigkeiten wegfallen, werden idealerweise Ressourcen frei um sich anderen Dingen zu widmen.

Dann ist es entscheidend, ob Menschen durch Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen in die Lage versetzt wurden, diese neuen oder anderen Aufgaben zu übernehmen. Hier ist jedenfalls die Erwachsenenbildung gefragt.

Persönlich finde ich es außerdem spannend wie virtuelle Kommunikations- und Kollaborationsmöglichkeiten unsere Arbeitswelt weiterhin verändern werden.

Vorausgesetzt, du hättest genug Geld – würdest du trotzdem arbeiten, und was? Auch wenn ich nicht auf das Geld angewiesen wäre, würde ich arbeiten. Ich mag meine Arbeit und erlebe sie fast immer als Bereicherung. Mein Leben würde also vermutlich nicht sehr viel anders aussehen. Was ich dann aber sicher tun würde: Risikofreudiger meine Zeit in die Entwicklung eigener Projekte investieren.

Danke, Antonia!

Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Julia Fabrick

Von Lena Marie Glaser

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Julia Fabrick

CHALLENGE ACCEPTED!

In meiner Arbeit für das mittlerweile größte Kurzfilmfestival Österreichs VIS Vienna Shorts, das ich seit 2008 inhaltlich und organisatorisch maßgeblich mitgestalte und für das ich einige Jahre im Vereinsvorstand war und seit 2015 als Geschäftsführerin der Vienna Shorts Agentur, geht es mir vor allem um eines: Menschen zu begeistern!

Sei es die vielen Katzenliebhaberinnen, die wir beim jährlichen Cat Video Festival (Youtube) zum Lachen bringen, junge Menschen, denen wir beim FußballKäfigKino (Vimeo) ihr ganz persönliches Open-Air-Kino in ihre gewohnte Umgebung bauen oder Filminteressierte, die wir bei unseren Money Walks (Youtube) – politische Kurzfilmspaziergänge im öffentlichen Raum – mit gesellschaftsrelevanten Themen konfrontieren.

An der Kulturarbeit schätze ich die berufliche Freiheit, die Möglichkeit, beinahe jede Idee zu verfolgen, einige davon auch umsetzen zu können und dabei Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen kennen zu lernen. Auf der anderen Seite ist es nicht immer leicht, sich in der Kulturbranche finanziell über Wasser zu halten; es erfordert viele Kompromisse, Eigeninitiative und Durchhaltevermögen.

Cat Video Festival

Film ist für mich als Kuratorin ein wesentliches Werkzeug, um neue Perspektiven zu eröffnen, Aufmerksamkeit zu generieren, das Publikum mit bestimmten Themen zu konfrontieren und das Gesehene zu reflektieren. Ich kann so die Wahrnehmung immer wieder aufs Neue schärfen, sensibilisieren, auf zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Konflikte schauen und diesen mit Bewusstsein begegnen.

Das Schöne am Kurzfilm ist der gestalterische Beitrag, den man als Kuratorin in jedem Programm (ein Kurzfilmprogramm entspricht meist der Länge eines Spielfilms) leistet. So kann ein Thema durch verschiedene Filme und die individuelle Zusammenstellung auch von mehreren Seiten beleuchtet und unterschiedlich wahrgenommen werden.

Schon immer sind Filme ein bedeutender Teil meines Lebens und das Kino der Raum, in dem alles möglich wird. Es ist jener Ort, an dem sich Fantasien und Träume entfalten, Gesellschaftsnormen durchbrochen und die eigenen Motive und Wahrheiten hinterfragt werden.

VIS Vienna Shorts Agentur Logo

Als Geschäftsführerin der Vienna Shorts Agentur (agentur.viennashorts.com) unterstütze ich FilmemacherInnen durch Vermittlung von Auftragsarbeiten – so zum Beispiel durch Beauftragung von Kurzfilmen für die Stadt Wien zu den Themen Mülltrennung und Recycling. Ebenso wichtig sind uns Projekte, bei denen wir junge Menschen für das Medium Film begeistern können. Dabei greife ich auf unser Netzwerk an heimischen und internationalen Kurzfilmschaffenden zurück.

Ganz egal, was ich mache, ich möchte es mit Freude und Begeisterung tun können, denn das ist der Motor, der mich antreibt Herausforderung anzunehmen und Krisen zu überstehen. Ich bin gar nicht sicher, ob ich in zehn Jahren immer noch in der Film- und Kulturbranche tätig bin, vielleicht hat es mich dann schon ganz wo anders hin verschlagen.

Wichtig ist, dass man in Bewegung bleibt, Neues ausprobiert, hin und wieder eine Lebensklausur einlegt und sich immer wieder fragt, ob man mit seiner Arbeit, mit dem was man tut, glücklich ist. Falls nicht, ist es Zeit für Veränderung – immerhin verbringen wir den Großteil unseres Lebens damit. Ich glaube nichts im Leben ist unmöglich, solange man bereit ist seine Perspektive auch mal zu verändern.

Das Leben stellt uns immer wieder vor Herausforderungen. Es geht darum sie dankend anzunehmen, ganz nach dem Motto: When life puts you in tough situations, don’t say „Why me?“ say „Try me!“.

Danke, Julia!

Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Matthias Pirngruber

Von Lena Marie Glaser

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Matthias Pirngruber Portrait
(c) Matthias Pirngruber
Matthias Pirngruber

In meiner Arbeit geht es in erster Linie darum, gemeinsam mit Freund_innen interessante Projekte in Kunst und Kultur umzusetzen. Meine Tätigkeiten beinhalten sowohl Textarbeiten als auch Festivalorganisation sowie meine eigene Musikagentur, die ich mit Freunden betreibe. Es ist großartig mitzuerleben, wie gemeinsame Ideen wachsen und sich immer weiterentwickeln. Durch den permanenten Austausch mit Künstler_innen habe ich auch den nötigen Input, um nicht auf der Stelle zu treten. Meine Textagentur steckt noch in den Kinderschuhen und ich habe den Luxus nur die Kunden zu betreuen, die ich auch betreuen will.
Ich will auch in Zukunft selbstständig Projekte umsetzen und langfristig mit Freund_innen eine Firma aufbauen, die Arbeitsplätze schafft und uns den Freiraum gibt, genug Zeit für all die Dinge zu haben, die uns interessieren.

Ich mache meine Projekte, weil sie mir Spaß machen, mein Leben finanzieren, mich herausfordern und persönlich weiterbilden. Es stehen „egoistische“ Motive an erster Stelle. Wichtig ist mir der gute Umgang mit meinen Partner_innen und Kund_innen und in Zukunft auch mit meinen Mitarbeiter_innen. Ich denke, dass man in seinem Mikrokosmos im Kulturbereich die größten Hebel hat. Ich will anderen zeigen, dass man sich sehr wohl an seinen Ideen versuchen soll und man als Unternehmer_in genug Möglichkeiten hat, um gemeinsam seine eigenen Freiheiten zu vergrößern.

Ich wollte immer im Kulturbereich arbeiten und gemeinsam mit dem Maler Thomas Schrenk habe ich mir in den Kopf gesetzt, als Selbstständiger zu überleben. Er hat dies 2012 geschafft und ich lebe seit 2015 von meinen selbstständigen Tätigkeiten. Mit Florian Ritt von der Band folkshilfe und Bertram Kolar habe ich die Musikagentur töchtersöhne gegründet. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich vor allem Freunde im engsten Umfeld geprägt und gefördert haben und ich dadurch die Möglichkeit hatte, meine eigenen Rollen zu finden.

Matthias Pirngruber Portrait
Matthias Pirngruber

Auch wenn es abgedroschen klingt: Nehmt euch die Zeit, euch mit euren eigenen Gedanken zu beschäftigen und den eigenen Lebensweg zu reflektieren. Das gelernte Muster Schule – Studium/Ausbildung – Arbeit ist nur eine Möglichkeit sein Leben zu leben. Wahlmöglichkeiten sind ein Luxus für den viele Menschen lange gekämpft haben und keine Last, wie dies gerne verkauft wird. Ich bin dankbar in einer demokratischen, offenen Gesellschaft leben zu dürfen und bin mir dieser Privilegien bewusst. Ich denke, es wird immer wichtiger sich für eine pluralistische und liberale Gesellschaftsordnung einzusetzen. Wir alle sind mündig genug für unsere Entscheidungen und Ansichten Verantwortung zu übernehmen.

Danke dir!

Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Andrea Poschmaier

Von Lena Marie Glaser

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Andrea Poschmaier

Redakteurin für den ORF, beschäftigt sich häufig mit Arbeitsrecht und Arbeitsmarktpolitik. Außerdem ist sie neugierige Zeitungsleserin.

Im Artikel ‘When robots take all the work, what’ll be left for us to do?” (wired.com) wird ein düsteres Szenario formuliert: Was, wenn wir nach der völligen Automatisierung erfahren, der Sinn eines menschlichen Lebens ist Arbeit?

Ich muss dabei unweigerlich an Viktor Frankl denken, der für uns zwei Möglichkeiten sieht, Sinn zu finden: erstens durch unsere Beziehungen, sprich durch Liebe (Partnerschaft; Kinder; Liebe, die man über eine Leidenschaft, ein Talent an andere Menschen weitergibt) oder durch Leiden (in seinem Fall: im Konzentrationslager; trotz allem überleben; Grenzen des menschenmöglich Ertragbaren überschreiten; Leiden als Mittel zur Transzendenz) – was bedeutet das für die arbeitslose Menschheit, die Sinn sucht?

Stehen wir nicht nur an der Schwelle zur Vollautomatisierung, sondern auch am Scheideweg zwischen Liebe und Leiden? Wie könnte eine Utopie der Liebe aussehen, wenn nichts mehr „zu tun“ ist? Werden wir alle bedürfnislose, buddhistische Mönche?

Oder werden wir uns in einem Houellebecq’schen Universum wie in „Karte und Gebiet“ wiederfinden, in dem der Mensch seinen Körper durch Technologie bis zur Unsterblichkeit optimiert hat und aus Ermangelung an Gesprächsstoff mit Anderen, Gleichgemachten nur mehr den ebenfalls unsterblich gemachten Hund liebt? Und die Dystopie des Leidens (und damit des Hasses)? Das können wir uns alle, glaube ich, sehr gut vorstellen, dass die Menschheit noch nicht weiter ist, als Gewalt dankbar aufzugreifen, nur um etwas „zu tun“.

Danke, Andrea!

Wir und die Zukunft der Arbeit – Mit Kersten Kloser-Pitcher

Von Lena Marie Glaser

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

Kersten Kloser-Pitcher, GfK Kersten Kloser-Pitcher

Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation (GfK) und Gründerin der Plattform Gesprächskultur.

Liebe Kersten, worum geht es bei deiner Arbeit?

Es geht darum eine Gesprächskultur zu gestalten, die uns Menschen gedeihen lässt – sodass wir eine Sprache finden die uns mehr vereint als trennt. Mit mir selbst und mit anderen. Dafür stehe ich und dafür biete ich Räume und Werkzeuge an. Die Basis dafür bietet die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg.

Wie kannst du durch deine Tätigkeit unsere künftige Arbeitswelt und Gesellschaft verbessern?

Ein essenzieller Schlüssel um Stress zu reduzieren und all die daraus resultierenden Konsequenzen, ist es mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu sein. Präsenz, Verbindung und Achtsamkeit sind Schlüsselelemente um in der Arbeitswelt und der Welt ganz allgemein klar zu kommen. Die Fähigkeit zu diesem Kern zurückzukehren wenn um uns herum das Chaos, die Überinformation, die Isolation, Einsamkeit, Überforderung und Rohheit tobt, ist überlebenswichtig und ein Schritt in eine friedlichere Zukunft.

Wie bist du zur Gewaltfreien Kommunikation gekommen?

Das eigene Leben ist die beste LehrerIn. Mein klassisches Studium der Unternehmensführung habe ich mit vielen offenen Fragen abgeschlossen. Wie können wir Arbeiten und Wirken ohne uns auszupowern? Wie können wir das tun was in uns brennt und dennoch Geld verdienen? Wie können wir Sinn in dem finden was es zu tun gibt? Wie können wir unsere Selbstwertschätzung nähren in einem Dominanzsystem das „Macht über“ andere suggeriert? Die Gewaltfreie Kommunikation hat mir viele Antworten auf einmal gegeben und viele reifen dahin, je länger ich mit dieser Form der Kommunikation in Verbindung bin.

Warum braucht es deine Arbeit?

 Kersten mit Ehemann

Ich bin überzeugt, dass es Zeit ist aktiv unsere Gesprächskultur zu gestalten. Die Jahre des Polarisierens, des Kategorisierens in „gut“ und „schlecht“, „mag ich“ und „mag ich nicht“ sind vorbei. Wahlen gehen der Reihe nach mit fast 50:50 aus. Es gibt zwei Lager. Es ist an der Zeit, Brücken zu schlagen und sich nicht mehr in elitäre Felder zu retten und von dort zu bewerten. Aufstehen und reden. Muskeltraining im empathischen Zuhören. Mitgefühl ist nicht immer schön. Dafür um so notwendiger.

Danke, Kersten!