Wir und die Zukunft der Arbeit – Best of Interviews

Lena Marie Glaser, (c) Barbara Kraml

Lena Marie Glaser befragt Expertinnen der neuen Arbeitswelt, wie sie arbeiten wollen. Mehr dazu Schreibt mir eure Anregungen und Kommentare: lena@basicallyinnovative.com

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Das sind meine Lieblingszitate:

„Flexibilität und Selbstbestimmung sind für mich extrem wichtig und wertvoll. Ich mag die Abwechslung und die Entscheidung, wann und wo ich mich welchen Inhalten widmen mag.“ Julia Andorfer

„Kreativ sein, Ideen spinnen, Spaß haben, nach Lösungen suchen, um den Status Quo zu verbessern, immer wieder neue Herausforderungen meistern. Und natürlich auch: ein Einkommen haben.“ Miriam Mlczoch

„Aber auch für Menschen ohne Betreuungspflichten erscheint es mir wichtig, dass Arbeitsverhältnisse so gestaltet sind, dass sie uns ausreichend Energie für andere Dinge im Leben lassen.“ Antonia Wenzl

„Wahre Bedeutung zu schaffen anstatt irgendwelchen Zahlen/Euros zu dienen.“ Monika Kletzmayr

„Meine Arbeit sollte möglichst flexibel organisiert sein. Ich will, dass Arbeit und Familie kompatibel sind. Andererseits wünsche ich mir klare Arbeitsbereiche und -zeiten.“ Miriam Mlczoch

„Arbeit macht mich glücklich, wenn es sich nicht wie anstrengende Arbeit anfühlt, sondern leicht und erfüllend ist, ich in einem Flow-Gefühl schwebe und andere durch mein Tun bereichern und bestärken darf.“ Julia Andorfer

„Arbeit bedeutet für mich eine Form der Weiterentwicklung meines Selbst, eine Art der eigenen Entfaltung sowie des Lernens und Umgeben sein von neuen Herausforderungen. Ich arbeite gerne, umso wichtiger ist es jedoch, dass ich Spaß habe an dem was ich tue und Raum für Freizeit, Auszeit und Reflexion vorhanden bleibt.“ Isabel Oostvogel

„Ich denke, es geht nicht immer um das „Was“, sondern darum, welche Qualitäten von Arbeit einem wichtig sind. Und die kann man dann ganz gratis in das einbauen, was man gerade so macht. Und die meisten Beschränkungen macht man sich sowieso selbst. Mal ganz ehrlich: was hält uns denn WIRKLICH ab?“ Monika Kletzmayr

„Vor allem ist mir wichtig, dass ich mich durch meine Arbeit ausdrücken kann, dass ich immer Neues lerne, dass ich in guter Gesellschaft bin, dass ich was Sinnvolles machen kann – genau wie in anderen Bereichen meines Lebens.“ Lena Robinson

„Mein idealer Arbeitsplatz schafft die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer zu lernen und gemeinsam zu wachsen. Er gibt mir die Freiheit, Dinge auszuprobieren, aber stellt mir Inhalte sowie Sparringpartner bereit, die meine Arbeit herausfordern.“ Isabel Oostvogel

„Früher dachte ich, es sei so wichtig, dass jeder seinen Purpose findet und den „richtigen“ Job dazu. Mittlerweile bin ich da gelassener geworden.“ Monika Kletzmayr

„Im Laufe der Jahre habe ich herausgefunden, dass es mir besonders wichtig ist mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ähnliche Grundhaltungen haben. Auch ein wertschätzender, kollegialer Umgang und transparente Strukturen sind mir wichtig.“ Antonia Wenzl

„Ganz egal, was ich mache, ich möchte es mit Freude und Begeisterung tun können, denn das ist der Motor, der mich antreibt Herausforderung anzunehmen und Krisen zu überstehen.“ Julia Fabrick

„Die Unternehmen sollten starten, die eigene Organisation wie die Kundenwelt zu betrachten und auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hören: Wer seine Kunden kennt, der darf sich glücklich schätzen, denn das führt zu Erfolg.“ Isabel Oostvogel

„Flexibilität ist ein ganz wesentlicher Faktor für mich für eine gute Work/Life-Balance und ein Aspekt meiner Selbstständigkeit. Daher bin ich auch ein großer Fan von Jobsharing.“ Julia Andorfer

„Wie können wir Arbeiten und Wirken ohne uns auszupowern? Wie können wir das tun was in uns brennt und dennoch Geld verdienen? Wie können wir Sinn in dem finden was es zu tun gibt?“ Kersten Kloser-Pitcher

„Also momentan brauche ganz viel Freiraum. Ich will mir alles selbst einteilen können und auch Aufgaben und Projekte ablehnen können, wenn ich nicht dahinter bin. Dafür bin ich, glaube ich, extrem committed. Deshalb geht das.“ Lena Robinson

„Auch wenn es abgedroschen klingt: Nehmt euch die Zeit, euch mit euren eigenen Gedanken zu beschäftigen und den eigenen Lebensweg zu reflektieren. Das gelernte Muster Schule – Studium/Ausbildung – Arbeit ist nur eine Möglichkeit sein Leben zu leben.“ Matthias Pirngruber

„Mein Traum wäre es, mehr körperlich und vor Ort aktiv zu sein, mich für die Gesellschaft oder Natur einzusetzen und nicht mehr so viel vor dem PC zu sitzen. Ich möchte raus und dort sein, wo Hilfe benötigt, wo etwas umgesetzt, zusammengearbeitet, Mehrwerte geschaffen, Menschen befähigt und in Lösungen gedacht wird.“ Isabel Oostvogel

„Zusammenarbeit ist mir am allerwichtigsten. Ich merke, dass mich die Projekte am meisten motivieren in denen eine gute Zusammenarbeit besteht. Ich denke, einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist Klarheit und eine gewisse Übereinstimmung über den Sinn und Zweck des gemeinsamen Unterfangens.“ Lena Robinson

„Menschen arbeiten unterschiedlich und haben in einer Zusammenarbeit auch unterschiedliche Bedürfnisse. Wichtig ist, dass die Kommunikation gut funktioniert und dass es Raum für die Meta-Ebene gibt.“ Lena Robinson

„Ich arbeite derzeit ausschließlich im Büro und weiß diese Abgrenzung vom Privaten sehr zu schätzen. Natürlich bringt es auch Freiheiten mit sich an unterschiedlichen Orten tätig zu sein. Ich tue mir aber ohnehin schwer, die Arbeit im Kopf nicht mit nach Hause zu nehmen. Wenn sie zumindest physisch dort verortet bleibt, wo ich auch arbeite, dann macht es das für mich einfacher.“ Antonia Wenzl

„Für mich ist es unglaublich bereichernd, dass ich mich täglich mit Menschen austauschen kann, die vor den gleichen Herausforderungen stehen und von denen ich lernen kann. Sehr wertvoll erlebe ich eine möglichst große Diversität in Teams und die Fähigkeit unterschiedliche Sichtweisen und Problemlösungszugänge wertschätzen zu können.“ Antonia Wenzl

„Wichtig ist, dass man in Bewegung bleibt, Neues ausprobiert, hin und wieder eine Lebensklausur einlegt und sich immer wieder fragt, ob man mit seiner Arbeit, mit dem was man tut, glücklich ist. Falls nicht, ist es Zeit für Veränderung – immerhin verbringen wir den Großteil unseres Lebens damit. Ich glaube nichts im Leben ist unmöglich, solange man bereit ist seine Perspektive auch mal zu verändern.“ Julia Fabrick

„Ich mache meine Projekte, weil sie mir Spaß machen, mein Leben finanzieren, mich herausfordern und persönlich weiterbilden. Es stehen „egoistische“ Motive an erster Stelle. Wichtig ist mir der gute Umgang mit meinen Partner_innen und Kund_innen und in Zukunft auch mit meinen Mitarbeiter_innen.“ Matthias Pirngruber

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Warum geht das nicht anders? Millennials fordern eine flexiblere Arbeitswelt

Lena Marie Glaser, (c) Barbara Kraml

Für viele ist es einfach Realität, aber immer mehr wollen sich damit nicht abfinden: Lange Arbeitstage gefesselt an den Arbeitsplatz, ohne Freiräume und Mitgestaltung. Besonders meine Generation, die Millennials, fordern Arbeitsbedingungen, die zu ihren Bedürfnissen passen. Doch wie kann das aussehen?

Von Lena Marie Glaser

Immer mehr Menschen, inbesondere aber Millennials, fordern flexiblere Arbeitsbedingungen. Sie wollen ihren Alltag selbstbestimmt gestalten können. Sie wollen gehört werden. Sie wollen sich nicht ausbeuten lassen.

Manche wünschen sich eine 4 Tage-Woche. Oder wollen ohne schlechtes Gewissen schon mal um 15.00 nach Hause gehen, wenn die Arbeit erledigt ist.

Andere möchten ihre eigenen Projekte in der Arbeitszeit vorantreiben. Sie sehnen sich nach einer Auszeit, um zu studieren, ihren persönlichen Interessen nachzugehen oder eine Radtour mit Freundinnen zu machen.

Für Arbeitgeber ist das oft eine Herausforderung. Sie wissen noch nicht, wie sie damit umgehen sollen. Führungskräfte und Mitarbeiterinnen erzählen mir das.

Es gibt Unternehmer, die wollen auf diese Bedürfnisse eingehen, aber die Rahmenbedingungen ermöglichen es oft nicht. So ist es in vielen Service-Branchen einfach üblich, auf Abruf verfügbar zu sein: Der Kunde ist König.

Für viele gehört es auch zum Selbstverständnis, lange, hart und viel zu arbeiten. ‚Work hard, play hard‘. Sie holen sich so Anerkennung und sind überzeugt, nur so die beste Arbeit erbringen zu können.

Doch egal wo ich unterwegs bin, auf New Work Konferenzen für Führungskräfte, Business Festivals für Frauen meiner Generation oder im privaten Umfeld, es ist ganz stark spürbar:

Es besteht eine Sehnsucht nach einer Arbeitswelt in der unsere individuellen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

Diese können völlig unterschiedlich sein. Dennoch geht es darum, sie zu berücksichtigen. Jede sich selbst gegenüber mit mehr Achtsamkeit, aber vor allem als Verantwortung der Unternehmer und der Politiker.

Es ist es natürlich eine große Herausforderung, all diese Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Viele Interessen prallen da aufeinander. Aber es ist auch möglich.

Beispiele wie Premium Cola, BUURTZORG oder Patagonia zeigen es. Die Corporate Rebels und Nicole Thurn von New Work Stories besuchen diese Vorbild-Unternehmen und berichten darüber. Tandemploy lebt es vor und hilft dabei Jobsplitting und Co technisch umzusetzen.

Denn schließlich ist es im Interesse von allen, wenn die Arbeit uns nicht krank macht. Arbeitgeber und Staat können Kosten senken, die Produktivität erhöhen. Und jede einzelne von uns kann ein gutes Leben führen, das zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Wie seht ihr das? Schreibt mir: Lena@basicallyinnovative.com

IN THE STUDIO Eva Fischer

Eva Fischer, (c) Lena Marie Glaser

Für IN THE STUDIO besucht Lena Marie Glaser Menschen und ihre Arbeitswelt. Alle Videos: VIMEO

„Es ist zwar manchmal echt anstrengend. Aber ich bin einfach happy, wie es ist.“

Eva Fischer ist selbstständige Kuratorin, Kulturmanagerin und Dozentin im Bereich audiovisueller Kunst, Virtual Reality und experimenteller Medien. Seit 2016 leitet sie die Produktion der Diagonale – Festival des österreichischen Films.

Für meinen IN THE STUDIO Studiovisit habe ich Eva ins Wiener Home-Office und Diagonale Filmfestival HQ in Wien begleitet. Das unglaublich inspirierende Porträt gibt spannende Einblicke in Evas Arbeit, ihre Arbeitsweise und was ihr wichtig ist. Zum Video:

Habt ihr Fragen oder Anregungen? Schreibt mir: Lena@basicallyinnovative.com

Future of workspaces – Wo willst du arbeiten?

DasPackhaus workspaces
DasPackhaus Wien

Unsere Arbeitsräume sagen viel über die gegenwärtige Arbeitskultur. Jump-seat Desks und Open Spaces offenbaren ein großes Problem: Unsere menschlichen Bedürfnisse spielen hier selten eine Rolle. Ich mache mich daher auf die Suche nach dem perfekten Arbeitsort. Wie sieht er aus? Wo finde ich ihn?

Von Lena Marie Glaser

Die zunehmende Digitalisierung verändert unsere gewohnten Arbeitswelten. Mit Smartphones, Laptops und Clouds können wir 24/7 im Bett oder am Strand arbeiten. Die Grenze zwischen Arbeit und Privatem löst sich immer mehr auf. Homeoffice, Jump-seat desks oder Co-working space anstatt Einzelbüro im Firmensitz.

Niemand kann mit Sicherheit vorhersehen, wie unsere Arbeitswelt in Zukunft tatsächlich aussehen wird. Trotzdem werden heute schon weltweit neue Büros erbaut. Oft ohne Rücksicht auf unsere menschlichen Bedürfnisse.

Doch wo und wie wollen wir arbeiten? Für Eva, die freie Journalistin, am Frühstückstisch, da sie hier Licht und Atmosphäre liebt. Thomas, der Beamte, schätzt sein Einzelzimmer mit Familienfotos am Schreibtisch, das er auch mal abschließen kann.

Julia, die IT-Angestellte, wechselt jeden Tag im Großraumbüro ihren Arbeitsplatz, bevorzugt aber ihr Homeoffice. Für Mascha, die Architektin, ist es ihr Büro im sanierten Altbau mit offenem Raumkonzept und individueller Note.

Wir verbringen viele Stunden unseres Lebens dort und möchten uns dort wohlfühlen, als ganze Menschen wahrgenommen werden. Dieser Ort soll unseren individuellen Bedürfnissen entsprechen.

Eine Kurzumfrage in meinem persönlichen Umfeld ergab, dass das Büro mehr ist als nur der Ort an dem wir arbeiten. Er gibt uns Sicherheit und Halt, ermöglicht Austausch und neue Ideen.

Aber die Realität ist für viele anders: Anstatt Einzelbüros mit persönlichen Schreibtischen gibt es nun laute, unpersönliche Strukturen und Shared-working Stations. Schon mal was von Büros mit Jump-seat Desks, Paperless office, Clean-desk Policy gehört?

weXelerate Start-up and Innovation Hub, Sofitel Wien
weXelerate Start-up and Innovation Hub, Sofitel Wien

Diese neuen Formen der Gestaltung von Büros sollen Arbeitsabläufe beschleunigen, sollen die interne Kommunikation erleichtern und durch bewusst gesteuerte Kreativität mehr Innovation ermöglichen.

Im Vordergrund: Effizienzsteigerung anstatt individueller Bedürfnisse. Zunehmend lässt sich beobachten, dass Menschen von dieser Form von Flexibilisierung überfordert sind. Ohne Schutz des persönlichen Arbeitsplatzes nehmen Burn-outs und Erkrankungen zu. Das perfekte Arbeitsumfeld sieht anders aus.

Eine von neuen Technologien geprägte Arbeitswelt kommt vermutlich auch ohne diese Arbeitsräume aus. Doch für Unternehmen sprechen einige Gründe dafür weiterhin auf Büros zu setzen (Planing Office Spaces – A practical guide for managers and designers, Laurence King Publishing, 2010):

1. Aufgaben und Tätigkeiten können effizienter erledigt werden, 2. die Kommunikation wird erleichtert, 3. sie haben eine bedeutende Rolle für die Identität des Unternehmens.

Aus Sicht der Menschen ist es das Bedürfnis nach Gemeinschaft, Zugehörigkeit und persönlichen Gesprächen, die gemeinsame Arbeitsorte auch in Zukunft wahrscheinlich machen.

Angelika Fitz betont in ihrem Buch Arbeitende Orte (Springer 2012), dass selbst die digitale Boheme auf Dauer unzufrieden mit improvisierten Heim- und Kaffeehausbüros ist und sich in Co-Working-Arealen organisiert. 

Die britische Tageszeitung TheGuardian berichtete im Juni 2017 über das geplante neue Google Headquarter London, Baubeginn 2018: 

„Floor plans for the building show a wellness centre containing gyms, massage rooms a narrow swimming pool and multi-use indoor sports pitch, and a rooftop garden split over multiple storeys and themed around three areas: a plateau, gardens and fields, planted with strawberries, gooseberries and sage.“ TheGuardian

Können wir nun in Zukunft mit Wohlfühloasen rechnen? Raphael Gielgen, Trendforscher des Schweizer Möbel-Unternehmens VITRA, ist davon überzeugt, dass das Büro der Zukunft Halt und Orientierung gibt.

Er sieht eine Renaissance von Headquarter, Büro und Campus, da sich Menschen nach Gemeinschaft sehnen. Es sind kuratierte Orte mit Charakter, die der Community eine Heimat bieten, so der Experte (in 100 Working Spaces – Büros der Zukunft, 2016/17).

In Activity-based Workspaces mit Ruhezonen, Bereichen für individuelle und gemeinschaftliche Arbeit in offenen Strukturen und mit Führungskräfte-Tischen, sieht Bernhard Herzog die Zukunft der Arbeit.

Als Experte für das neue Arbeiten von M.O.O.CON, einem deutsch-österreichischen Strategieberater für Organisations- und Objektentwicklung, beschäftigt er sich damit, wie das ideale Arbeitsumfeld aussieht.

Immer mehr Unternehmen nehmen die Beratung von M.O.O.CON in Anspruch. Die Kunden reichen von NGO (Caritas Österreich),  öffentlichen Institutionen (Arbeiterkammer) bis zu internationalen Finanzdienstleistern (Deutsche Bank). 

Unternehmen stehen dabei oft vor der Entscheidung, einen schnellen Weg zu gehen und dabei zu riskieren, Mitarbeiterinnen zu verschrecken oder aber einen Wettbewerbsnachteil zu riskieren, sagt Herzog.

Für den M.O.O.CON Experten ist klar, dass Bürokonzepte mit der veränderten Arbeitswelt mithalten müssen. Diese können gar notwendige Veränderungen in Unternehmenskultur und Arbeitsweise bewirken, ist Herzog überzeugt.

Angesprochen auf die Kritik an allzu flexiblen Arbeitsplätzen, erklärt Bernhard Herzog die Überforderung damit, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bisher gewohnt waren, klar abgegrenzte Aufgaben in individuellen Einzelzellen zu erledigen.

In einer veränderten neuen Arbeitswelt werden sie nun gefordert mit ihren Kolleginnen und Kollegen in offenen Strukturen zu arbeiten und so das große Ganze zu sehen.

In der Wiener M.O.O.CON Niederlassung wird dieses Activity-based Konzept gelebt. Außer dem Sekretariat hat hier niemand einen fixen Arbeitsplatz. Jeden Tag suchen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz, ihre Laptops und Unterlagen werden am Ende des Tages in einem persönlichen Kästchen verstaut.

Das Paperless Office ist dafür erforderlich. Ein Modell, das hier sehr gut funktioniert, da diese Menschen regelmäßig unterwegs bei ihren Kunden sind.

Microsoft Austria, Headquarter Wien
Microsoft Austria, Headquarter Wien

Auch Microsoft Austria sieht sich als Vorreiter der neuen Arbeitswelt. Werde ich hier den perfekten Arbeitsplatz finden? Vor Ort unterstreicht die eloquente Marketingmitarbeiterin, wie wichtig es Microsoft ist, eine Wohlfühlumgebung zu schaffen: viel Natur, die bunte Bürogestaltung, eine Rutsche sollen dazu beitragen.

Bei meiner Tour entdecke ich offene Raumstrukturen mit Shared-working Stations, Kästchen zum Verstauen der persönlichen Dinge am Ende des Tages, schalldichte Zellen für Telefonate, farbenfrohe Meetingräume, inspiriert vom Wiener Kaffeehaus bis zur New Yorker Graffiti Wand.

Ein besonderes Unterscheidungsmerkmal zu gewöhnlichen Büros: Auch die Geschäftsführerin hat hier keinen festen Arbeitsplatz. Außerdem gibt es keine Kernarbeitszeit, den Microsoft Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht es also offen 24/7 zu arbeiten. Doch eines fällt uns als Besuchergruppe auf: Vor Ort treffen wir kaum jemanden. Arbeiten die alle zu Hause?

Einen Blick in die Vergangenheit ermöglicht die ehemalige Postsparkasse in der Nähe der Wiener Ringstraße. Das von Otto Wagner entworfene und zwischen 1904-1912 erbaute Postsparkassengebäude ist unerwartet modern in der Innengestaltung, aber mit klarer Abbildung sozialer Hierarchien in Materialauswahl, Ausstattung sowie Raumlogistik.

Post Otto Wagner, Wien
Post Otto Wagner, Wien

Für die einfachen Jobs niedrige, eher trostlose Räume, für die Führungsetage kräftige Farben und protzige Möbel. Ein klarer Kontrast zum aktuellen Trend der offenen Strukturen, Shared-working Stations und Führungskräfte-Tischen.

Das Architekturbüro kadawittfeldarchitektur sieht die Lösung in einem Mittelweg: 

Wo kann man angekommen sein und doch offen bleiben für Veränderung. Workspaces müssen zwar immer flexibler werden, aber gleichzeitig auch Stabilität bieten (in Arbeitende Orte, Fitz).

Das Wiener DasPackhaus verbindet diese scheinbar widersprüchlichen Pole von Lebendigkeit und Stabilität. Als Zwischennutzungsprojekt in der Wiener Marxergasse ist es ein kreativer, improvisierter Ort auf Zeit.

Mit viel Charme wurde das alte Bürogebäude der Finanzverwaltung renoviert. Die Nutzerinnen und Nutzer haben die Möglichkeit, ihre Büros individuell zu gestalten.

Das Packhaus, Vienna Find your own co-working space Review
Das Packhaus, Vienna

Für mich wurde klar, dass der ideale Workspace der Zukunft Halt und Orientierung, Lebendigkeit und Kommunikation ermöglicht. Ein Ort der Zusammenarbeit, des Austausches ist. Im besten Fall flexibel und sich an unsere individuellen Bedürfnisse anpassend.

Jedenfalls ist er keine Kopie eines amerikanischen IT-Unternehmens, kein Umfeld das überfordert. Arbeitsräume müssen uns unterstützen und nicht das Gefühl vermitteln, eine reine Human Resource zu sein.

Wie genau dieser Ort aussieht, steht nicht im Vordergrund. Sondern welches Menschenbild damit vermittelt wird.

Wie seht ihr das? Schreibt mir: Lena@basicallyinnovative.com

3 Dinge, die wir uns alle im Job wünschen

Lena Marie Glaser, (c) Barbara Kraml

Kaum jemand, der nicht unter Leistungsdruck steht, sich ausgebeutet fühlt oder genervt ist vom Job. Viele wünschen sich anders zu arbeiten und zu leben. Doch was wollen wir eigentlich?

Von Lena Marie Glaser

Beim Abendessen in einem Wiener Lokal sind wir uns – drei Frauen um die 30 – einig: Wertschätzung im Job ist echt ein Luxus. Außerdem ständiger Leistungsdruck, kaum Platz für persönliche Entfaltung, und kein positives Feedback vom Chef. Das sind Erfahrungen, die viele kennen.

Früher als Juristin im Ministerium musste ich dafür kämpfen, ernst genommen zu werden. Sonst wäre ich dauerhaft die Assistentin der älteren männlichen Kollegen geblieben (natürlich im Gegensatz zu den gleichaltrigen, gleichqualifizierten männlichen Kollegen).

Aber auch die übliche Vorgehensweise, Personalentscheidungen zu treffen ohne die Beteiligten einzubinden, empfand ich immer schon als ungerecht.

Als ich im Kunst- und Kulturmanagement arbeitete, konnte ich zunächst gar nicht glauben, wie niedrig die Bezahlung war. Gehälter, die kaum für Miete und Essen reichten. Außer man hatte natürlich reiche Eltern.

Trotzdem gaben alle immer ihr Bestes – und es wurde von ihnen erwartet. Es machte ja Spaß und war immerhin der lang erträumte Traumjob für den bereits viele, viele andere in der Warteschlage standen.

Auspressen und unter Druck setzten

Menschen sind faul, müssen daher ständig unter Druck gesetzt und bis zum letzten ausgepresst werden. Das ist ein Führungsstil, der noch immer sehr verbreitet ist. Die Menschen lassen es sich aus Angst vor Job- und Statusverlust gefallen, so der Arbeitsmediziner Helmut Stadlbauer im derStandard-Interview.

Aber nicht nur in Anwaltskanzleien, Kunstgalerien und internationalen Konzernen herrscht diese Kultur, sondern auch in den neuen, hippen Agenturen und Start-ups, in denen angeblich alle best friends oder wie eine Familie sind.

Gratis Sushi und Ausbeutung

Diese angeblichen Traumarbeitsplätze bieten ihren Leuten kreative Aufgaben, das Arbeiten im Freundeskreis, kostenlosen Kaffee und Kicker im open space. Doch die Wahrheit ist oft eine andere: Hoher Zeitdruck, ruppiger Umgangston, und eine scheinbare heile Welt.

Die französische Autorin Mathilde Ramadier deckte auf, dass Start-ups in Berlin junge Akademikerinnen und Akademiker nach Strich und Faden ausnutzen. Die studierte Philosophin hatte es nach einiger Zeit in solchen Unternehmen satt und beschloss darüber zu schreiben.

Sie spricht von der Lüge „Wir sind eine Familie“ und fragt: Was nutzen uns Gratis-Sushi und Kickertisch, wenn wir ausgebeutet werden? Goodies, gemeinsame Firmen Events in der Freizeit und befristete Jobs machen es verdammt schwer Kritik zu üben, so Ramadier (Zeit Online).

Aber ist das wirklich die Zukunft der Arbeit, die wir wollen? Werden wir künftig unter dem Druck ersticken, gesteuert von Robotern und Algorithmen? Oder aber: Wie könnte ein anderer Weg aussehen?

Sophie Pollak, die Gründerin von WeBandits verkauft hippe koreanische Mode in ihrem Wiener Shop in der Neubaugasse. Bei der Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Freundin erzählt sie mir davon, dass sie in ihrer neuen Rolle als Chefin einen anderen Weg gehen will.

Sie lässt sich coachen, informiert sich und versucht für ihr Unternehmen einen eigenen Weg zu finden. Neues Leadership ist das und unterscheidet sich echt grundlegend von den üblichen Macho-Allüren in vielen Agenturen und Start-ups.

Der Hamburger Unternehmern Uwe Lübbermann hat erfolgreich Premium Cola gegründet und sich bewusst für eine andere, neue Form des Arbeitens entschieden. In seinem Unternehmen gibt es ausschließlich Konsens Entscheidungen und gleichen Lohn für alle.

Lübbermann baut dabei auf Vertrauen, schriftliche Verträge gibt es keine. Mit seinem Mitarbeiter, der Lieferantin oder der Kundin spricht er auf Augenhöhe.

Neben vielen Aspekten ist es die Arbeitskultur, die für viele Probleme verantwortlich ist. Also die Art und Weise, wie wir zusammen arbeiten. Zurückblickend auf meine persönlichen Erfahrungen und die vielen Gespräche, die ich zu diesem Thema geführt habe, sind diese 3 Dinge für mich besonders wichtig:

1. Ich kann mitentscheiden und gestalten.

2. Es gibt eine Kultur des Vertrauens.

3. Ich kann mich persönlich entfalten.

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7 Dinge für mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz

Wie wollen wir arbeiten? (c) Lena Marie Glaser

Ich kenne viele, die unzufrieden sind in ihrem Job – vor allem in Unternehmen und Organisationen. Genervt von dem Absitzen fixer Arbeitszeiten, kontrollierender Chefs, sinnloser Arbeitsaufträge und dem Widerstand neue Wege zu gehen. Sie wollen mitgestalten, Flexibilität, Sinn und Spaß. Was können wir tun, um das zu bekommen?

Von Lena Marie Glaser

Wie schon KPMG in seinem Paper „Meet the Millennials“ klar festhält: „A happier workforce means a more productive workforce. A more productive workforce means more revenue and more revenue means more reward for our employees. Now, which company wouldn’t to sign up for that?“.

Natürlich ist die Wirtschaft und Politik gefragt, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Für Menschen aller Generationen am Arbeitsmarkt. Denn faire und flexible Arbeitsplätze garantieren eine zufriedene Belegschaft, weniger Krankenstände, geringere Kosten für das Recruiting neuer Talente. Das steigert die Produktivität und den wirtschaftlichen Erfolg.

Aber was kann jede und jeder von uns selbst tun? Wie können wir uns einen Arbeitsplatz schaffen, der uns zufriedener und glücklicher macht? Ohne gleich zu kündigen. Und zwar in dem Unternehmen, in dem wir gerade sind.

Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung und den vielen Gesprächen, die ich führe, sind 7 Vorschläge entstanden. Damit ihr wieder ohne Bauchweh arbeitet.

Gleich vorab: Die Kultur oder gar Strukturen eines Unternehmens lassen sich so nicht sofort verändern. Aber wenn wir es immer wieder einfordern und zeigen warum es auch für die Organisation und alle Menschen im Unternehmen sinnvoll ist, gestalten wir aktiv unsere Arbeitswelt mit.

Meine 7 Dinge für mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz

#1 Schreibt ein Konzept! Was stört euch eigentlich an eurem Arbeitsplatz? Beginnt diese Dinge zu notieren. Seht es als Problem und überlegt was ihr persönlich tun könnt. Mit einem Aufriss über die Ausgangslage, das Problem, eure Lösungsvorschläge und einem groben Zeitplan macht ihr euch einen Termin mit der Chefin aus oder nutzt das Mitarbeitergespräch.

Mein Tipp: Passt auf! Es kann sein, dass Menschen verärgert sind, weil sie denken, ihr greift sie persönlich an. Denkt das mit und versucht wertschätzend zu kommunizieren. Ihr seid ja keine Bedrohung, sondern wollt euch persönlich einbringen und das Unternehmen mitgestalten.

#2 Setzt euch zusammen! Alle im Team jammern und beklagen dieselben Themen? Dann schlägt doch mal vor, euch Zeit und einen Raum zu nehmen diese Probleme zu sammeln, zu brainstormen und dann gemeinsam konkrete Vorschläge zu erarbeiten. Mein Tipp: Alles gut strukturiert in einem Dokument oder einer Präsentation aufbereiten und der nächsten Teamsitzung oder Unternehmensklausur einbringen.

#3 Nehmt Fortbildungen in Anspruch! Klopft mal bei der Chefin oder HR-Zuständigen an. Oder schaut nach im Intranet: Was bietet eigentlich mein Unternehmen intern an? Recherchiert, fragt nach. Bei den Kolleginnen und Kollegen, im Freundeskreis, in der Familie, im Internet bei Bildungsinstitutionen und Bildungsmessen.

Ich war Meisterin darin, neue Fortbildungen genehmigt zu bekommen. Mein Tipp: Konkrete Bildungsangebote recherchieren (mit Preis, Zeitraum) und für deine Führungskraft eine Begründung parat haben, warum diese Fortbildung für euch und das Unternehmen wichtig ist. So lässt sich auch ein Kurs rechtfertigen, der auf den ersten Blick gar nichts mit deinem Arbeitsplatz zu tun hat.

#4 Bildet ein Sparring-Team! Findet jemanden, mit dem ihr euch strukturiert und regelmäßig über berufliche Themen und persönliche Herausforderungen austauscht. Erfolgsversprechend sind Treffen über Teamgrenzen hinweg. Sparring-Teams kann es geben zwischen Menschen mit unterschiedlicher Erfahrung, aus verschiedenen Generationen oder ähnlichen Lebensumständen (bspw. Alleinerziehende Eltern).

#5 Nehmt Mentoring-Programme in Anspruch! Ich selbst bin/war Mentee in dem Cross-Mentoring Programm der österreichischen Verwaltung und in dem WoMentoring Programm von Club alpha in Kooperation mit der österreichischen Tageszeitung derStandard. Was mir das gebracht hat? Ich habe meine eigenen Stärken erkannt, neue Potentiale entdeckt, von den Erfahrungen anderer gelernt, Feedback bekommen und mein Netzwerk vergrößert.

Wie wollen wir arbeiten? (c) Lena Marie Glaser

#6 Gründet eure eigene Interessensgruppe! Ihr läuft gerne eine Runde in der Früh? Dann fragt andere, ob sie mitkommen wollen. Ihr entspannt gerne beim Yoga? Vielleicht hat ja eine Kollegin eine Yoga-Ausbildung und möchte in der Mittagspause gemeinsam praktizieren. Das bringt euch zusammen – über Abteilungsgrenzen und Altersunterschiede hinweg. Und mehr Leichtigkeit und Spaß im Berufsalltag schadet auch nie.

#7 Vernetzt euch außerhalb eures Unternehmens! Welcher Berufsgruppe gehört ihr an? Wo gibt es bestehende Netzwerke und Veranstaltungen? Das erhört eure Sichtbarkeit, ihr werdet als Expertin oder Experte wahrgenommen, ihr kommt herum und vermutlich steigt dann auch die Zufriedenheit am Arbeitsplatz im eigenen Unternehmen.

Und wenn das alles gar nichts bringt, dann ist es Zeit sich ehrlich der Frage zu stellen: Passe ich eigentlich in diese Unternehmenskultur?

Ich habe irgendwann ganz klar erkannt, ich will anders leben! Ich passe nicht mehr in diese Organisation. Mir hat es geholfen, Coaching in Anspruch zu nehmen, Workshops zu besuchen, inspirierende Bücher zu lesen.

So habe ich begonnen, erste Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Und jetzt bin ich lebendiger und kreativer als je zuvor.

Eure Lena

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Booklove: MINDSET von Dr. Carol Dweck

Review von Lena Marie Glaser

Meine Cousine forscht und lehrt an der Business School der University of Surrey und hat mir dieses Buch empfohlen. Dr. Carol Dweck ist Professorin für Psychologie an der Stanford University.

Schon nach dem 1. Kapitel habe ich mir gedacht: Wow, so habe ich das noch nie gesehen. Eine unglaubliche Bereicherung für mein privates und berufliches Leben.

Dr. Carol Dweck ist aufgrund ihrer Research zu einer bahnbrechenden Erkenntnis gelangt: Die Macht des Mindsets. Das heißt in anderen Worten: Alles was wir tun ist davon beeinflusst, wie wir darüber denken. Also welchen Mindset wir haben.

In diesem Buch unterscheidet sie zwischen dem „Fixed Mindset“, also dem Mindset wonach Begabungen fix vorgegeben sind. Im Gegensatz dazu gibt es den „Growth Mindset“, der es uns ermöglicht uns mehr zuzutrauen, neue Fähigkeiten zu entwickeln und Fehler anders zu beurteilen. So können wir auch in Dingen richtig gut werden, die uns nicht schon in die Wiege gelegt sind.

Für mich persönlich wurde klar, warum ich über so viele Jahre geglaubt hatte, dass ich nicht begabt genug bin. Um zu schreiben, Musik zu produzieren, Expertin zu sein, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Doch seit 2017 hat sich das bei mir völlig verändert. Ich tue einfach worauf ich Lust habe. Ich werde besser darin. Ich traue mich einen Weg zu gehen, der nicht der einfachste zu sein scheint. Offensichtlich hat sich mein Mindset von einem „Fixed Mindset“ zu einem „Growth Mindset“ gewandelt.

Habt ihr Anregungen und Lesetips? Schreibt mir: Lena@basicallyinnovative.com